Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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37 die Stätte ist, auf der sie als freie Volksgenossen von der Hände Arbeit leben wollen, für die andern der alte heilige Boden, auf dem den heiligsten nationalen Gütern sich hinzugeben, ihr Sehnen ist; es ist bei allen die gleiche, reine Liebe zum jüdischen Wesen, bei allen ein lebendiger jüdischer Wille, der ihre Herzen stählt und ihnen in der traurigen Gegenwart die Kraft gibt, nicht zu verzagen. In dieser Zeit, da das Geschick unseres Volkes für die zukünftigen Jahrzehnte bestimmt wird, darf nicht Trennung, muss E i n i g u n g unsere Losung sein. Die Sorgen um die inneren Kämpfe, welche uns die Zukunft zweifellos bringen wird, dürfen uns nicht die Kraft lähmen, die wir für den äusseren Kampf benötigen, der uns bevorsteht und der so schwierig ist, dass wir ihn nur dann werden bestehen können, wenn wir ein einiges, in sich geschlossenes und entschlossenes jüdisches Volk sind. Der Glaube an unser Volk muss uns die Zuversicht geben, dass das Gute und Wahre die Kraft haben wird, sich in unserem Volke selbst durchzusetzen. Wir müssen erkennen, dass keine Sicherungen und Bedingungen uns helfen können, sondern dass die einzige Garantie in uns selbst liegt. So soll denn im kommenden Jahre die Richtlinie unserer Politik bestimmt werden von dem alten innigen „Betochaun“, von dem von uns gar so oft vergessenen unbedingten jüdischen Vertrauen: Bekennen wir uns freudig, nicht aus Schwäche, sondern gerade weil wir durchdrungen sind von der Stärke und Urkraft unseres Volkes, weil wir unerschütterlich glauben an den unvergänglichen Heiligkeitscharakter unserer Nation, an ihren Ewigkeitswert und ihre universelle Aufgabe, zu dieser Politik des Vertrauens, des Vertrauens in den Leiter der Geschicke der Völker und Menschen, des Vertrauens in unsere Mitbrüder und des Vertrauens vor allem in uns selbst. * * *