Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919-1919)
- Issue
- 4. Jahrgang 5680 = 1919/20 (1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3135693-3135698--0862-3136587- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
32 auch wir Juden müssen hier, je besser sich unsere Lage gestaltet, desto tiefer den Druck mitempfinden, der auf unseren Brüdern im Osten lastet. Aber nicht nur zur Anklage wurde von den Juden der Schweiz die Stimme erhoben, sondern auch zu bitterer Klage. Auf den 20. Siwan des vergangenen Jahres wurde wegen der andauernden Pogrome im Osten ein allgemeiner jüdischer Trauertag in der Diaspora wie im heiligen Lande anberaumt, der auf Anregung des schweizerischen jüdischen Qemeindebundes hin auch in fast allen jüdischen Qemeinden der Schweiz begangen wurde. Dieses Klagen und Weinen war nicht ein Zeichen der Schwäche, sondern ein erhebendes Zeichen jüdischer Solidarität und Brüderlichkeit. Doch nicht nur diese traurigen Ereignisse im Osten haben uns Juden in der Schweiz zu tätigem Eingreifen veranlasst; auch die Palästina-Bestrebungen haben bei uns einen starken Widerhall gefunden. Bereits im Oktober 1918 hatte der schweizerische Bundespräsident Calonder eine Erklärung abgegeben, in welcher er seiner warmen Sympathie für die jüdischen Bestrebungen zur Erlangung des heiligen Landes Ausdruck gab, und die Hoffnung aussprach, dass das Ziel einer gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina in Bälde sich gänzlich realisieren möge. Der Pariser Friedenskonferenz wurde eine von 7488 Juden in der Schweiz Unterzeichnete Petition überreicht. Diese hat folgenden Wortlaut: ,,Wir verlangen, dass die Pariser Friedenskonferenz durch öffentlich-rechtliche Bestimmungen dem jüdischen Volke das Recht und die Gelegenheit gibt, im geeinten und unteilbaren Palästina, innerhalb der durch geschichtliche Überlieferung, durch politische und ökonomische Notwendigkeit bedingten Grenzen, eine nationale Heimstätte zu errichten.“