Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 243)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Hause vorgekommen?! Ein junger Mann im Hochzeitsjahr flieht heimlich mit den alten Chassidim zum Rabbi! „Hört! Hört!“ Diese Predigt tönt ihm unaufhörlich in seinen Ohren. Doch eine andere innere Stimme spricht zu ihm. „Mit Freuden empfange die Leiden! “ „Gibt es ein Ding auf Erden,“ fragt sich Schmul, „das ohne Mühe und Leiden erreicht werden könnte!? “ „Andere Zeiten, andere Menschen“, seufzt der greise Raw Schmul. Wie anders, ja ganz anders war es in jenen guten, glücklichen und fröhlichen Tagen! Wenn sein Schwiegervater, der Misnagid, nur ein einziges Mal das Antlitz des grossen heiligen Rabbi gesehen hätte,’ da wäre er ein ganz anderer geworden! . . In seinem misnagdischen Starrsinn wusste er es nicht und fühlte es auch nicht, dass es besser sei, auch nur eine Stunde in der Nähe des Zadik, als das ganze Leben im kleinen toten Städtchen mit seinen „thoralernenden“ Misnagdim! Raw Schmul schloss. Der Vorbeter beginnt das Maariwgebet. Die Hörer zerstreuen sich, jeder nimmt seinen Platz ein. Nur Raw Schmul steht an seinem Orte ganz bewegungslos. Eine Träne glänzt an seinen träumenden blauen Augen. . . — — — — Zürich. Mordechai Vogelmann.