Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 230)
- Language
- German
- Belongs to
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229 chen mit Schmuck und teuren Geräten herausnimmt, — und er schweigt. Und vielleicht verzeiht er gar den Dieben?! Doch plötzlich, als sie das allerletzte Fach erbrochen und ein kleines, tief unten verstecktes Säckchen herausgezogen haben, vergisst sich der Mann: ein Zittern geht durch seine Glieder, seine Augen sprühen Funken, er erhebt die rechte Hand, um sich zu wehren; und er will aufschreien: „Rührt das nicht an!“ Doch statt des Schreies dringt ein Strahl heissen, dampfenden Blutes aus seiner Brust: der Dolch hat sein Herz durchbohrt. Und das Blut aus seinem Herzen fliesst über das kleine Säckchen. Der Greis fällt nieder, und die Räuber binden hastig das Säckchen auf: da werden sie wohl das Wertvollste finden! Sie haben sich aber geirrt und das Blut ganz umsonst vergossen: kein Silber war darin und auch kein Gold; kein Schmuck und keine Kostbarkeiten. Es war nichts darin, was teuer ist und einen Wert auf dieser Welt hat! Es war nur ein wenig Erde darin, Erde aus dem Heiligen Lande, die man dem Verstorbenen ins Grab mitgibt. Und diese Erde wollte der Reiche vor fremden Händen und fremden Blicken retten und er bespritzte sie mit seinem Blut. .. Die irrende Seele erhaschte ein Häuflein der blutdurchtränkten Erde des Heiligen Landes und meldet sich damit an des Himmels Pforte ... Und das erste Geschenk wurde angenommen. * „Denke daran,“ rief ihr der Engel nach, als er die Pforte hinter ihr wieder verschloss, „dass du noch zwei Gaben zu bringen hast!“