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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 203

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 203 (sequence 204)
Language
German
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203 tsie sich befanden. Dem einen tat sich das Beth-Hamik- ^dosch auf mit seiner marmornen Säulenpracht, hinter der weisse Leviten zu ihren goldnen Harfen sangen, der andere glaubte den Hohenpriester nach verrichtetem Dienste die Stufen des Allerheiligsten herabschreiten zu sehen, „das Angesicht leuchtend wie eine Sonne“. Und als erst Gad das Willkommlied anstimmte: „Komm1, Geliebter, der Braut entgegen, lasst den Sabbat uns empfangen“, riss er vollends die Versammlung mit sich hin. Alles sang und jubelte, die Blicke verklärten sich, Hände schlugen zusammen — es war wie ein einziger grosser Hochzeitsreigen. Und weiter klang es: „Aus dem Staube dich verjünge, auf! mein Volk, leg' Prachtgewänder an“, und mit jedem Satze stieg der Jubel, immer höher schlug die Woge der Begeisterung. Und es war, als erstände hier, im Gedunkel der Bergwelt, eine Geisterinsel, eine Insel der Seligen, wo im Lichterglanze die Seelen auf- und niederstiegen im Gleichtakt göttlicher Melodien, von der Erde zum Himmel und von den Himmeln zur Erde, auf und nieder — im ewigen Taumel der Lust. Als das Gebet zu Ende war, trat Wolf zu Gad und sprach: „Ihr habt uns armen, sündigen Dörflern eine selige Stunde geschenkt, tut mir jetzt die Liebe an und bleibt für Sabbat mein Gast.“ Und Gad antwortete fröhlich: „Weil du es willst, so sei es.“ Keiner aber fand sich unter den Männern, der nicht Wolf um seinen Gast beneidete. Dieser liess, nachdem sich die übrigen entfernt hatten, Gad ehrerbietig den Vortritt nehmen, geleitete ihn in die lichterlohe Speisestube, wo schon Kachel, sein Weib, mit Golda bei Tische sassen, und sagte zu seiner Ehehälfte: Rachel, wir haben heute einen hohen Gast, Reb Gad *wird mit uns bei Tische sitzen.“ Rachel war über die

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