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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1918-01-01 · 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918) · p. Seite 80

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
Issue
3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 80 (sequence 81)
Language
German
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80 selbst wenn er verbannt werden sollte,1) auch nicht wenn er als Kranker zur Bettruhe gezwungen werden müsste,2) mochte er den Unterricht an der Hochschule entbehren. Er starb im Alter von ungefähr 117 Jahren (etwa im Jahre 290), zum Teil aus Altersschwäche, zum Teil als Folge der erschütternden Ereignisse zwischen ihm und Resch Lakisch. Die Pfeile, die er gegen Resch Lakisch schleuderte, die den stärksten Mann Israels in diesem Zeitalter tödlich trafen, kehrten nun ihre Spitzen gegen ihren Schleuderer um. Eine Sehnsucht nach dem aus Kränkung gestorbenen Resch Lakisch bemächtigte sich seiner, die von Zeit zu Zeit heftigere, auf ihn erschöpfend wirkende Formen annahm. Dahin waren all die von Resch Lakisch entfachten Diskussionen. Die Yorträge verliefen nun mehr eintönig und entbehrten des belebenden sprühenden Geistes. Yon den Zeitgenossen wird der Tod Rabbi Jochanans für diesen selbst als eine Erlösung von seinen seelischen Qualen angesehen. Für die andern, für die Mit- und Nachwelt bedeutete sein Tod das Gegenteil hiervon. Sein Tod — sagte R. Izchak ben Elasar aus Cesaräa in seiner Trauerrede — gleicht dem Untergang der Sonne zur Mittagszeit,3) und in der Tat: wurde doch Tiberias durch Rabbi Jochanan zu einem geistigen Zentrum für die ganze Diaspora, zu einer Stätte, wo alle geistigen Fäden zusammenliefen, von der aus an allen Hauptsitzen der Juden angeknüpft werden konnte. Diesem wurde durch den Tod R, Jochanans für immer Abbruch getan. Am Tage seines Todes, erzählt eine andere Agada, beugten die Ikonen und die Standbilder ihre Häupter als Zeichen der Trauer um das Hinscheiden des schönsten 1) Erubin 26. 2) Moed Katan 25. 3) Aboda sara 3,1.

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