Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Jüngling, der kaum die Schule verlassen hat, es sei sein Recht, ״sich auszuleben“ und seinen Begierden und Sinnen keine Zügel aufzuerlegen. Früher galten Grausamkeit, Egoismus, Hartherzigkeit als hässliche Eigenschaften, deren man sich schämen müsse, während sie heute von gewisser Seite als Zeichen 1 eines höheren Kalturstandes gepriesen und andrerseits Nachsicht, Barmherzigkeit und Milde als Schwäche bezeichnet und herabsetzend als Herdenmoral charakterisiert werden. Ist für uns Juden am heutigen Tage ein Zweifel möglich, welche Auffassung die richtige ist? Bäumt sich heute nicht alles in uns auf gegen die Anschauung der Materialisten ״der Mensch ist ein Raubtier, geboren zum Genuss des Augenblicks,“ eine Ansicht, die sich schon im grauen Altertum zu der Forderung verdichtete אכול ושתה כי מחר נמות wir wollen essen und trinken, denn morgen sind wir tot? Lebt in uns nicht heute mächtig die Ueberzeugung ״ אכן רוח הוא באנושfürwahr ein Geist lebt in uns Menschen, und ein Hauch von Gott gibt uns den Verstand.“ Wahrlich, heute kann *es kein Schwanken und kein Zweifeln in uns geben. Wir sind ja nicht Nachkommen des Esau ויאכל וישת ויקם וילך dem der Genuss das Höchste war, und der die idealen Güter verachtete, wir fühlen uns heute als Juden, und der heutige Tag, an dem wir erschauernd der Ewigkeit gedenken, will uns vorbereiten tür den grossen יום הדין den Gerichtstag, an welchem als Sünde gilt, was Gott in seiner Thora als Sünde bezeichnet hat. Ja, was Gott verboten hat, das ist und bleibt Sünde. Wohl hat es in unserer Zeit ״Rabbiner“ gegeben, die ״eine Umwertung der Werte“ auch innerhalb des Judentums vornehmen wollten. Mit keckem Wagemut haben sie sich über die heiligsten Vorschriften unserer Thora hinweggesetzt. Sie haben erlaubt, was Gott verboten hat. Sie gestatten, was die Thora mit schwerer