Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918-1918)
- Issue
- 3. Jahrgang 5679 = 1918/19 (1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 39)
- Language
- German
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38 tet, von einer Solidität, dass nicht einmal der „Malach Hamowes“ über die Schwelle zu treten vermag. So hat nun das jüdische Herz auch in der Schweiz Lichter entzündet, die in dunkelster Nacht leuchten: Der Greis schaut beglückt in sein Abendrot, das verlassene Kind erfreut sich fürsorgender Erziehung und der gebrechliche Menschenkörper ist im Tal und auf den Bergen umgeben und gestützt von Engeln der Liebe. Leider können wir nicht von Engeln der Liebe reden, wenn wir über unser Land hinaus in die kriegführenden Staaten blicken. Als im vorigen Jahre die Fesseln des Absolutismus im russischen Reiche gesprengt wurden, und der „Zar“ in des Wortes jüdischer Bedeutung auch für die russischen Juden auf hörte, da ging ein freudiges Auf jauchzen durch alle jüdischen Herzen. Was hatten sie nicht alles erlebt! Kischinew allein enthält eine umfangreiche Chronik, die ewig von Strömen jüdischen Blutes erzählt. Hätte man’s den armen gequälten Juden verdenken sollen, wenn sie sich des neu aufgepflanzten goldenen Freiheitsbaumes freuten! Aber der Jubel war leider verfrüht. Es zeigte sich, dass die Pogrome auch im republikanischen Staate Daseinsrecht erworben haben, und der jüdische Prügelknabe sich in keinem politischen Klima gegen Verletzungen schützen kann. In Polen und in der Ukraine, in Galizien und ln Turkestan, überall sucht die „menschliche Bestie“ ihr altes Ziel: Die Juden. Darum dürfen alle Hoffnungen, die sich an eine uns Juden winkende Besserstellung knüpfen, nicht zu hoch gespannt werden. Das gilt auch für die Juden in Rumänien, denen erst vor kurzem wieder die sogenannte Emanzipation zugesichert worden ist. Vergessen wir