Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 206)
- Language
- German
- Belongs to
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205 Und der Held des Tages war der ernste und bleiche littauische Halbwaise, der Tob. In ihren schwarzen, kleidsamen Anzügen mit den gelb-weissen Strohhütchen auf dem Haupte, machten sie einen wahrhaft festlichen Eindruck, die Kinder, die wie Brüder und Schwestern den Gefeierten ins Gotteshaus begleiteten. Etwas verschüchtert und leise fing der Knabe den Segenspruch an. Dann sah er sich prüfend um, der Hausvater winkte ermutigend, die Betenden horchten erwartungsvoll. Auch der fremde Onkel war aus der Ferne zur Feier des Tages erschienen. Da wurde es dem Jungen weich ums Herz. Er glaubte jenen heitern Morgenstrahl wiederzusehen und des Vaters Stimme zu vernehmen: „ Adieu mein Kind, ich komme bald wieder!“ Wie süss war doch wieder des Vaters Kuss. Da fing das Kind zu singen an, laut und schmelzend mit wundersam ergreifender Betonung. „Hörst Du Vater . . .“ Und die Gemeinde horchte, erst neugierig, prüfend, dann aufmerksam, hingerissen, und des Hausvaters Gesicht glänzte vor Stolz und Freude. Das Empfangszimmer der Anstalt wurde nicht leer. Leute kamen und gingen. Die Vornehmsten der Gemeinde kamen mit ihren Damen, um zu gratulieren, Geschenke aller Art trafen ein, Briefe und Ansichtskarten häuften sich. Und jedes .Mal; wenn etwas Neues eintraf, setzte es einen neuen Jubel ab, in den alle froh einstimmten. Die Aeltern stellten Vergleiche an mit den Geschenken, die sie erhielten. Die Kleinern freuten sich schon mit den angenehmen Perspektiven, die ihnen der heutige Tag eröffnete. Ein Mädchen sagte nicht ohne Anflug von Neid: „Die Geschenke wären schon recht, aber Parscho