Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 196)
- Language
- German
- Belongs to
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der Strasse den stürmischen Tag besprachen, auseinander zu treiben. Während drei Wochen lebten die Soldaten in den beiden Dörfern herrlich und in Freuden auf Kosten der Gemeinde, während ringsum keine Seele an Unruhe und Plünderung dachte. Von Baden her war gegen 5 Uhr abends Kommandant Schmid nach Endingen gekommen. Im Vertrauen darauf, dass er Manns genug sei, die Unruhen persönlich zu schlichten, kam er allein. Sein Vertrauen wurde schmählich getäuscht. Man entwand ihm den Säbel und nur das energische Einschreiten der Endinger Bürger schützten ihn vor tätlicher Misshandlung. Die Geistlichen der Umgebung hielten nach dem schimpflichen Raubzug scharfe Predigten gegen die Teilnehmer und forderten sie auf, das Unrecht wieder gut zu machen und das Geraubte zurückzugeben. Vieles wurde in der Tat wdeder zurückerstattet; der grösste Teil aber, und insbesondere die besten Stücke der Beute, die von den „Führern“ behändigt worden waren, schienen die Gewissen der Räuber nicht zu belästigen. Nachweislich gereichte das Geraubte indess keinem zum Segen! Im Jahre 1883 entdeckte der Löwenwirt von Endingen in einer Antiquitätenhandlung in Zürich einen silbernen Teller mit dem Namenszuge seines Grossvaters. Dieser Teller war letzterem während der Plünderung abhanden gekommen und mag durch manche Hand gelaufen sein, bis ihn der Enkel des rechtmässigen Eigentümers wieder erstand. — Das ist die Geschichte des alten „Zwetschgenkrieges“. Der unerhörte Raubzug hat merkwürdigerweise bis zur Stunde keinen Geschichtsschreiber gefunden, der ihn ausführlich dargestellt hätte.