Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 186)
- Language
- German
- Belongs to
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185 werde, was ihm in den Weg trete. Der Volkswitz benannte ihn deshalb den „Menschenfresser“, unter welchem Namen er in den Talschaften überall bekannt war. Die Kinder machten sich von ihm die abenteuerlichsten Vorstellungen. Die Verschworenen bedienten sich seiner als Zwischenträger und Boten. Das waren die Männer, die eine regelrechte Plünderung und Brandschatzung der Judengemeinden in Szene setzten. Trefflich wussten sie die Zeit zu wählen. Im Juli 1802 hatte Napoleon die französische Armee wirklich aus der Schweiz zurückgezogen und so die helvetische Kegierung blossgestellt. Sogleich erhoben sich überall Aufstände, auch im Aargau. Die Unzufriedenen, obwohl schlecht bewaffnet (man nennt deswegen die ganze Bewegung den ,,Stecklikrieg“), schlugen dennoch die helvetischen Truppen und zwangen die Regierung, sich von Bern nach Lausanne zu flüchten (18. September). Das muss Brei von Brugg unmittelbar zu Ohren gekommen sein; den schon am 19. versammelten sich die Verschworenen noch einmal zur letzten Beratung in der Müsegg. Sie beschlossen, den Zeitpunkt zu benutzen, indem keine Regierung im Lande sei und setzten das Unternehmen auf den 21. Sept. 1802 fest. Sie wählten den Tag, weil da die Katholiken Ober- Endingens einen Bittgang nach Zurzach unternehmen wollten. Derselbe wäre eigentlich auf St. Verena gefallen, war aber der Zurzacher Messe wegen verschoben worden. Zum Voraus wurde bestimmt, dass während des ganzen Unternehmens kein Schuss fallen dürfe, um spätem gefährlichem Folgen auszuweichen. So war denn alles aufs Sorgfältigste eingeleitet. Von allen Seiten zog der Sturm gegen die Bedrohten her, ohne dass diese eine Ahnung davon hatten. Von Lengnau und Endingen nahm niemand teil.