Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 125 (sequence 126)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Die jüdische Religionsphilosophie.*) (Ein populärer Vortrag.) Die Erkenntnis Gottes, die wir suchen, ist mittels verschiedener Wege zu erreichen; zuerst aber mittels der Religiosität und des religiösen Lebens, durch Religion des Herzens, die ein Anhängen ist, ein Anhängen an Gott aus Liebe zu ihm, zu seiner Lehre und zu seiner Welt. Die eigentliche Bedeutung des Wortes Religion ist das Anhängen, das Sichverbinden.1)' Mit ihr fängt die einfältige Kindheit an. Wenn aber die Erscheinungen des Lebens sich vervielfältigen und Verwirrung in die Gedankenwelt des Menschen bringen, dann beginnt die Arbeitszeit. Die Gefässe zerbrechen, die Lichter schwinden, man findet, sich in der Welt der Läuterungen; Läuterung der Gesittung, Läuterung der Gesinnung. Tastend wenden wir uns dann an die Schätze der Religionsphilosophie.2) Religionsphilosophie! Wird nicht mit dem Worte schon die zweifelnde Frage nach der Möglichkeit einei: solchen aufgeworfen? Ist Religionsphilosophie möglich? Widerspricht sich nicht das Wort selbst? — Diese Frage ist verschieden beantwortet worden. Der Unglaube in seinen verschiedenen Perioden und verschiedensten Gattungen ist bekannt, und vom Zeitpunkte, da Religion und Philosophie sich trafen, begann zwischen ihnen ein intensives Ringen. Dem Vater der Philosophie reichte man, wegen Asebeia, den Giftbecher. Seines Schülers Schüler musste, um demselben Lose zu entgehen, aus Athen fliehen. Vom frühesten Mittelalter bis in unsere *) Aus dem Hebräischen *) Vinculo pietatis religati De.o smnus, unde ipsa religio nomen accepit. L. 2) s. Kusari, Anfang Abschn. V.