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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1917-01-01 · 5678 = 1917/18 (1917) · p. Seite 120

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5678 = 1917/18 (1917-1917)
Issue
5678 = 1917/18 (1917)
Date
1917-01-01
Page
Seite 120 (sequence 121)
Language
German
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IRI
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120 über welche speziell die Chasanim jener Länder verfügten, gaben ihnen häufig Anlass, das Hauptgewicht auf solche Melodien zu legen, in welchen ihre Stimmen sich am stärksten entfalten konnten. Man ging weniger darauf aus, mit dem Chasan zu beten, als ihn zu hören. Diese ״Sänger“ eigneten sich häufig fremde, schön klingende Melodien an, die sie selbst im Theater aufgeschnappt haben und brachten sie ohne Bedenken in das Gotteshaus. Wenn man einen solchen Chasan bloss ״Baal Tefila“ betitelt hätte, so wäre er tief gekränkt gewesen. *) Selbst in Deutschland kommt es noch heute vor, dass hie und da sogar das Sündenbekenntnis (Al Chet) mit den lustigsten Walzermelodien (häufig auch das Brautlied aus Lohengrin) vorgetragen, oder mindestens gerne gehört wird. Wenn heute in dieser Beziehung in den grösseren und gebildeten Gemeinden Wandel geschaffen wurde, so haben wir es in erster Linie dem leuchtenden Dreigestirn, welches im vorigen Jahrhundert am Himmel des synagogalen Gesanges aufgegangen ist, zu verdanken. Es waren dies: die heute noch unübertroffenen Meister Naumbourg in Paris, Salomon Sulzer in Wien und Lewandowski in Berlin. Letzterer hat auch zur Hebung des Gemeindegesanges sehr viel beigetragen. Wer einmal in den grossen Synagogen das ״Lechu neraneno“ am Freitagabend, das Hallel am Jomtov, oder das ״Seu Scheorim Roschechem“ am Rosch-haschono von der ganzen Gemeinde hat singen hören, der kommt zu dem Entschluss, dass auf diesem Wege noch viel zu leisten sein wird. Nicht die Orgel und nicht das neugierige ״Zuhören“f sondern das persönliche Mitwirken wird die Besucher m *) Merkwürdigerweise hat Abraham Baer sein bedeutendes und umfangreiches Werk, in welchem er alle liturgischen Gesänge gesammelt und herausgegeben hat, ostentativ Baal Tefilah genannt. Ebenso nannte Lewandawski sein Hauptwerk für Ghasonos: קול רינה ותפלה•

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