Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 100 (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
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100 im Streite aber wollten mit dieser Forderung die heutige Judenheit von der „schweren, drückenden Last“ der Religion befreien, die in der Zeit des Ghetto „überwucherte“. Die Agudas Jisroel nimmt diesen Schlachtruf auf mit der Forderung: „Zurück zum Ghettojudentum,“ das heisst wohlverstanden nicht Rückkehr zum politischen Ghetto, das ist für alle Zeiten überwunden, und der fromme Jude preist ebenso wie der liberale den Allmächtigen dafür, dass er uns herausgeführt hat aus dem Druck zur Freiheit, dass er die Zeit hat enden lassen, in welcher der Jude der Menschenwürde beraubt war. Was wir unter der Rückkehr zum Ghetto verstehen, ist die Rückkehr zur Liebe zur Thora, die Rückkehr zu jener innigen Religiosität, die unsere Väter im Ghetto aus zeichnete, und die ihnen treues jüdisches Pflichtleben als höchstes Ideal erscheinen Hess. Der Auszug aus dem Ghetto wäre zu teuer erkauft, wollten wir dafür unsere jüdische Eigeizart auf geben, um allmählich uns zu assimilieren, und restlos unter den andern Völkern aufzugehen, von denen uns unsere göttliche Bestimmung scheidet. Noch so Manches hätte ich über mein Thema zu sagen. Aber der mir von der Redaktion des Jahrbuches für meinen Aufsatz zugestandene Raum ist bereits überschritten, und ich muss mich bescheiden. Gerne wäre ich noch näher auf die neue hoffnungverheissende Bewegung der Agudas Jisroel eingegangen — der Vereinigung der thoratreuen Judenheit der Welt — die durch den Krieg aufgehalten, aber nicht zerstört werden kann, und der jeder Jude, dem die Erhaltung unserer Heiligtümer am Herzen liegt, seine Kraft leihen möge. Die Vereinigung der Judenheit! Ein Traum, ein schöner Traum, so spricht wohl mancher. Doch dieser Traum war einst Wirklichkeit, damals, als unsere Väter „ein Herz und eine Seele“ am Sinai standen und dem