Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5678 = 1917/18 (1917-1917)
- Issue
- 5678 = 1917/18 (1917)
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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79 satz. Kein Affekt, keine leiblich-sinnliche Erregung darf in dieselbe als Grund hineinspielen. Denn sie ist Lebensaufgabe; sie ist Grund des Lebens. Wenden wir nun die Moralität als Lebensgrund und Lebensaufgabe auf unsern Spezialfall, auf den Frieden an, so bekommen wir einen Begriff von demselben, so gross und so erhaben, wie er von keiner modernen pazifistischen Tribüne aus je verkündet wurde. Nicht wirtschaftliche Notwendigkeit, nicht kulturelle Interessen der Lebensverschönerung, nicht das labile Gefühl des Mitleids schafft den ewigen Frieden. Er wird nicht aus dem Drange der Not heraus geboren. Er wird auch nicht plötzlich wie ein herrlicher Sonnentag über die Erde sich ergiessen, sondern er muss erarbeitet) als Lebensaufgabe von jedem Einzelnen erfüllt werden! Und damit der Jude dieser seiner Aufgabe sich bewusst wird und an deren Lösung mit Beharrlichkeit, stetig, ununterbrochen arbeiten soll, ruft er mit jedem neuen Tage neu die Ermahnung in seine Erinnerung: „Das sind Dinge, deren Früchte man schon diesseits geniesst, obgleich ihr Ursprung im Jenseits wurzelt: Elternverehrung, Wohltätigkeit und Friedensstiftung unter einander.“ Das ist der tiefe Sinn der ersten Mischnah in „Peah“, die in unsere Morgenbenediktion aufgenommen wurde. Hat sich einmal diese Einsicht durch die ganze Menschheit Bahn gebrochen und arbeitet somit der Einzelne und die Gesamtheit an der Lösung ihrer Lebensaufgabe, dann feiert die grosse Weissagung ihren Triumph: Wolf und Lamm werden friedlich zusammen weiden und die staubfressende Schlange wird unschädlich sein. (Jesaia 65, 25.) Könnten die modernen Pazifisten und die modernen Bibelschmäher nicht noch etwas von diesem biblischen Friedensbegriff lernen? Aber auch wir wollen es tun.