Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 184)
- Language
- German
- Belongs to
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183 schätze in sich schliesst? Haben wir seine Bedeutung nicht unterschätzt in den Tagen, da es wie ein blauer, wolkenloser Himmel über uns leuchtete? Noch hören wir nur von Ferne den entsetzlichen Schnitter Tod die jungen Menschengarben niedermähen. Vor den trotzigen Schweizerbergen haben die Bajonette Halt gemacht, es ist nur ein Echo des zermalmenden Schwertgeklirrs, das durch den schweizerischen Blätterwald tönt, aber wessen Herz blutete nicht mit bei dem Gedanken, dass Menschen gegen Menschen die Todeswaffen schwingen. Wie wohl tat es uns aber heute, für einige Stunden der dumpfen Weltatmosphäre entrückt zu sein in der Friedensversammlung der schweizer. Schass-Chewro Kein Wort fiel über den Krieg. Es war eine Friedensandacht voll Weihe und schweigender Begeisterung. Eine" Ueberraschung bildete für uns der Vortragende, Herr Pines aus Minsk. Nicht dass es uns ungewohnt vorkam, einen aus Russland kommenden Talmudisten in tiefeindringender Weise lernen zu hören. Das war uns nichts Neues. Russland ist die zeitgenössische Heimat und Pflanzstätte unserer hl. Thora. Das Kind saugt sie mit der Muttermilch ein und trägt sie als Kompass weiter durch alle Stadien des Lebens. In einer Zeit, wo unsere Herrensöhnchen in die Hallen der Wissenschaft feierlich eingeführt werden, sucht der arme, jüdische Vater in Russland in hartem Ringen die paar übrigen Groschen zu verdienen, um sie dem Melamed einzuhändigen, der sein Kind in die hl. Lehre einführt. Wohl haben lockende Versuchungen manches Chederkind auf Abwege geführt und jugendliche Ideale auf dem Altar genussfrohen Daseins geopfert, aber selbst diese Entgleisten zieht es mit unwiderstehlicher Gewalt wieder zu ihrer ersten Liebe zurück. Herr Pines gehört nicht zu diesen Entgleisten. Das Geleitwort an Josua: „Forsche darin Tag und Nacht“, ist ihm zur edlen Lebensdevise