Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 165)
- Language
- German
- Belongs to
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164 all die Ehre, all den Ruhm, all die Glücksgüter, die ich erworben, um wieder in schmachvoller Dunkelheit zu leben? Soll wieder ein niederer Knecht werden, da ich hoffen darf, als Herr der Herren zu leben? Ja, zurückkehren will ich zum Glauben der Väter, aber nicht als Sklave, sondern als Herr; nicht in elender Dunkelheit, sondern im hellen Sonnenstrahl kaiserlicher Hoheit.“ Während er so sprach, durchmass er das Zimmer mit hastigen Schritten. Plötzlich blieb er vor Joseph stehen und sah ihm voll ins Angesicht. „Joseph,“ sagte er, mit zärtlichem, liebevollem Tone, „Joseph, bleibe bei mir; sei mein Freund, mein Bruder! Ich will dich reich und mächtig machen!“ „Wie,“ fragte Joseph erstaunt, „du wolltest einen Juden an deiner Seite dulden und dich stets der Gefahr aussetzen, dass deine Abstammung erraten würde!“ „Nicht doch, auch du müsstest die Taufe empfangen und solange als Christ leben, bis wir beide offen zum Judentume zurückkehren können!“ „Da sei Gott vor!“ rief Joseph entsetzt. „Ach, ich bin gekommen, dich heimzuführen, und du willst mich zum Abfaiie verleiten?“ „So gehen denn unsere Wege auseinander. — Nimm diesen Beutel mit Gold und gedenke deines Schwures!“ „Behalte dein Gold. Meines Schwures werde ich eingedenk sein. Unglücklicher, du bist verloren!“ „Tor, ich ersteige den höchsten Gipfel der Ehre, des Ruhmes und der Macht!“ Bei diesen Worten öffnete Jakob die Türe, und Joseph entfernte sich, Kummer im Herzen. VI. In der kaiserlichen Burg befand sich eine kleine Kapelle. In ihr harrten ein deutscher Priester und