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Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz · 1916-01-01 · 5677 = 1916/17 (1916) · p. Seite 148

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Journal
Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
Volume
5677 = 1916/17 (1916-1916)
Issue
5677 = 1916/17 (1916)
Date
1916-01-01
Page
Seite 148 (sequence 149)
Language
German
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148 als sein Gefährte, „heisst das leben, wie wir unsere Tage verbringen? Tag und Nacht brüten wir über dem Talmud, haben kaum Brot und Salz zu essen, kaum ein Gewand, unsere Blösse zu bedecken .. „Also“, unterbrach ihn der Jüngere, „ist der Weg der Thora: Brot mit Salz sollst du essen ...“ „Du hast die Sprüche der Väter gut inne, mein Joseph“, sprach lachend Jakob. „Doch lass das, du weisst, ich kenne sie so gut wie du, mein lieber Stubengenosse. Ich aber habe dieses Leben satt; ich will geniessen wie andere Menschen auch. Bin ich etwa schlechter als die Grafen von Dalburg, die das Land umher beherrschen? Warum soll ich hungern und dürsten auf Gottes schöner Erde, während jene schwelgen? Warum soll ich, der ich so vieles gelernt habe, arm und verachtet leben, während rohe und unwissende Ritter und Grafen die hochgeehrten Herren sind? — Nein, ich will leben, leben in Ehre und Pracht, in Macht und Reichtum!“ „Und wie willst du das alles erlangen?“ „Unser Rabbi soll mir die Mittel dazu gewähren!“ „Unser Rabbi?“ „Ja, gerade er! Er liebt mich vor allen, weil ich sein befähigtster Schüler bin; ich werde ihn bitten, dass er mich in die Kabbala einweihe, und hat er mich eingeweiht, so werde ich mein Wissen benützen, und mir verschaffen, wonach mein Herz gelüstet!“ „Jakob, Jakob, tue das nicht! Du weisst, ich liebe dich wie einen Bruder; ich verehre in dir meinen Genossen, ja, meinen Lehrer, denn du bist mir überlegen an Jahren und an Kenntnissen! Aber gerade darum lasse ich dich warnen, wolle die heilige Wissenschaft nicht zu selbstsüchtigen Zwecken missbrauchen — es kann dir das nur zum Verderben gereichen!“

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