Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 146)
- Language
- German
- Belongs to
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145 Bücher stirbt der gute Geist im Menschen allmählich ab, der Schmelz der Seele geht von hinnen und wir verlieren die Fähigkeit, in Liebe das Gute auf Erden zu verbreiten. Zum Glück gibt es aber auch sehr viele Bücher von wahrhaft gediegenem Inhalt, in welchen jedes Wort seinen Wert hat. Wir haben also sehr auf der Hut zu sein, dass wir durch Lesen nur Vorteil, nicht aber Nachteil erfahren. Wenn ich meine ganze Erfahrung in einen einzigen Grundsatz zusammenfassen soll, so müsste dieser lauten : „Wenig und gut ist besser, als viel und schlecht.“ Es ist ganz klar, dass man in mehr als in seinem Fache belesen sein muss, wenn man nicht als einseitig gelten will. Man könnte darüber streiten, was denn überhaupt Bi ldung heisst. Hier verstehen wir darunter einfach: auf Grund der erworbenen Kenntnisse sich eine eigene Meinung bilden, um, selbst umgeben von brandenden Wogen, fest und sicher sein Schifflein zu lenken. Kenntnisse aber erwirbt man sich nicht nur durch Hören bei grossen Meistern, sondern fast mehr noch durch Selbststudium, durch Lesen guter Schriften. Um recht den Inhalt guter Bücher sich zu Herzen zu nehmen, ist es nötig, dieselben zu besitzen. Gute Schriften sollen gelesen und immer wieder gelesen sein, auch auf Gefahr, dass dadurch die Hausbibliothek nicht so schön erscheine. Es ist nicht nötig, dass wir belobigt werden, wie jener faule Student, den seine Mutter, die Bäuerin, besuchte und ihm alles Lob dafür spendete, dass seine Bücher in bester Ordnung und noch ganz neu seien. — Kein Opfer darf zu gross erscheinen, um ein Lieblingsbuch zu kaufen. Es gibt aber heute schon so viele gute Werke, dass es nicht angeht, alles Gute kaufen zu können, da für den Durchschnittsmenschen die Mittel dazu nicht ausreichen. Wie auch Hesse sich wohl ermitteln, was das zu kaufende Lieb-