Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 138)
- Language
- German
- Belongs to
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137 Verhältnissen weichen. Neues, vorher Ungekanntes, ist für den Kaufmann und für den Gelehrten in Erscheinung getreten. Von allem, was kaleidoskopartig an uns vorüberzieht, ist nur eines uns unverändert geblieben, unsere heilige Thora und die Pflicht, das in ihr Gebotene und Verbotene getreulich zu erfüllen, und wenn wir auf allen Gebieten Neues lernen müssen, auf dem Gebiete des Judentums und der Jüdischkeit ist es gerade umgekehrt, da gilt es, das Alte zu üben und dadurch immer tiefer verstehen zu lernen. Es gibt aber auch neue soziale Aufgaben, die der Krieg uns Schweizer Juden gebracht hat. Ist doch unser liebes Vaterland von Gott ganz besonders dadurch gesegnet worden, dass es vom Kriege verschont wurde und dass ihm die Möglichkeit geworden ist, als eine Oase in der Wüste den im Kampfe schwer Verwundeten und Erkrankten Labung zu gewähren. Ist es nicht ein erhebendes Gefühl, dazu beizutragen, dass Familien, die durch den Krieg getrennt worden sind, durch unsere Schweizer Postverwaltung wieder miteinander in Verbindung treten können, dass durch die aufopfernde Tätigkeit des Schweizer Roten Kreuzes das Los der Myriaden Kriegsgefangenen in allen Ländern erleichtert wird? Erfüllt es uns Juden nicht mit Stolz, dass durch den „Roten Mögen David“ Tausende von jüdischen Soldaten mit Pesachkost versehen werden konnten und ihnen bei allem seelischen Leid, das die Trennung von Weib und Kind mit sich bringt, wenigstens der Kummer erspart blieb, am Pesach Chomez essen zu müssen, oder ist es nicht ein erhebendes Gefühl, dass durch jüdische Verbände in allen Ländern, die vom Krieg betroffen sind, versucht wird, den jüdischen Kämpfern die Erfüllung der religiösen Pflichten zu ermöglichen?