Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
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77 semitisch gewesenen „Süddeutschen Monatsheften“, eine Unmasse von Details über Ostjuden, Ostjudentum, Judentum im allgemeinen und Judentum im besonderen, und daneben, im Gegensätze dazu, von Westjuden und Westjudentum; als ob es eine nicht mehr anzuzweifelnde Tatsache wäre, dass es zweierlei Judentum gäbe* War wirklich eine Spaltung im Juden turne entstanden, oder eine längst vorhandene Spaltung erweitert und abgeschlossen worden? Hat sich vom uralten Judentume das Ostjudentum oder das Westjudentum als Neuschöpfung losgelöst und sich selbständig erklärt? Nichts war geschehen, weder das eine noch das andere. Was hat dann aber alle jene Personen veranlasst, die grossen Trompeten zu blasen? Soll der Lärm den Mangel an Beweisen ersetzen oder die zahllose Wiederholung der falschen Thesen ihren Verkündern vergessen machen, dass diese Behauptungen einer jeden Basis entbehren? Fast will es so scheinen, dass die grosse Staubwolke nur die Tatsachen verhüllen möchte. Allein dann müsste die Gegenfrage berechtigt erscheinen: Wenn alles falsch ist, die Einheit des Judentums weiter so sicher wäre, wie dass zweimal zwei vier sind; wozu ist dann erst der Beweis für die Einheit des Judentums zu erbringen? Wozu hat man den Notar nötig, wenn der Partner als absolut ehrlicher Mann bekannt ist? Es ist wohl etwas geschehen, etwas, was höchstens indirekt hier in Betracht gezogen werden könnte. Dieses Etwas tangiert die Juden, greift in das jüdische Leben tief, sehr tief ein, allein das Judentum trifft dieses Etwas nicht, ganz und gar nicht. Dieses grosse Etwas ist: der Krieg. Er hat die Juden als Einzelmenschen in alle Armeen aller kriegführenden Nationen einbezogen; ja, noch mehr, die Gegenden, wo das Gros der Juden wohnt, sind vom Kriege zu Schlachtfeldern gemacht