Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3135693-3135694--0044-3135766- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 du die edelste Gottesheiligung. Eine Mischnah, einen Abschnitt der Thora mit Raschi-Kommentar, mit Liebe in deinen Geist aufgenommen, das berechtigt dich zum Kaddischsagen: „Lieber Israel und die Gelehrten, über deren Jünger und ihre Schüler, über alle, die sich mit der Thora beschäftigen, hier und an allen Orten, walte grosser Frieden, Gnade, Huld und Barmherzigkeit.“ Von Rabbi Jose erzählt der Talmud (Berochaus), aus einer Ruine Jerusalems tönte ihm einst der Ruf entgegen: „Es werde der grosse Name (Gottes) hochgepriesen, ewig und immerdar.“ Der Kaddisch aus einer Ruine? Rabbi Jose hing mit Herz und Geist, in heisser Liebe an Gott und seiner Lehre, in ihr forschte er Tag und Nacht, darum drang aus den zerstörten Tempelmauern der Kaddisch. Und wenn der Tempel zerstört ist, die Vertiefung in das göttliche Wort baut ihn wieder auf. In diesem Sinne sagt Rabbi Josua ben Levi (Sabbat 119,/: Wer in voller Aufrichtigkeit den Kaddisch sagt, dem werden alle bösen Beschlüsse aufgehoben. Der Jahrzeittag weckt immer wehmütige Erinnerungen an geliebte Angehörige. Welches ist die erspriesslichste Tätigkeit an einem solchen Tage? Lerne einen Schiur Mischnajoth; denn Mischna und N’schomoh bedeuten das gleiche. Der Besuch des Grabes ist eine rein menschliche Pflicht der Pietät. Ein Schiur Mischnajoth aber webt ein goldenes Band, das hinüberreicht in das jenseitige Leben deiner geliebten Verstorbenen. Dann darfst du Kaddisch sagen. Baden J. Fröhlich.