Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Journal
- Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz
- Volume
- 5677 = 1916/17 (1916-1916)
- Issue
- 5677 = 1916/17 (1916)
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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26 die Ueberlegung, dass wenn nicht Gottes Gnade sich ihm zuwandte, Hunger, Elend und ein schrecklicher Tod jedem einzelnen von den Bewohnern des Landes drohte? Uns allen gräbt die Zeit das Grab. Sie ist der allgemeine Totengräber. Gar mancher weilte im vorigen Jahre in unserer Mitte, den nun schon lange der kühle Rasen deckt und wenn wir in diesem Jahre den Schofarschall hören, so weiss niemand, ob er ihn auch im nächsten Jahre vernehmen wird. Aber nicht nur die Zeit schaufelt uns einst das natürliche Grab, in gewissem Sinne bereiten wir selbst uns dann das Grab, wenn wir nur sorgen für den Körper und die Seele darüber vergessen, wenn wir nur arbeiten und schaffen — und wie viele tuen das — für das, was irdisch ist und den Tod nicht überdauert. Dass wir nicht selbst uns das Grab rüsten, diese Mahnung hören wir aus dem Schofarschall heraus. Wir sollen sorgen, dass, wie es in unsern Gebeten heisst, unser Haus nicht werde unser Grab, dass wie in den Häusern unserer Eltern, auch in unserem Hause die Thora ihre Stätte finde, welche unserem Streben und Wirken die Richtung geben und das Ziel bestimmen soll. Dann und nur dann bereiten wir uns nicht selbst das Grab, dann schaffen wir nicht für das, was stirbt, und was dem Tode anheimfällt, sondern für das, was lebt und was einst für uns sprechen wird am Throne des Allmächtigen. Gar vieles hat ein jeder von uns in diesen heiligen Tagen von Gott zu erbitten. Möchte das neue Jahr uns und der Welt endlich den beglückenden Frieden bringen, möchte es ein Jahr der Aufrichtung und der endlich erlangten Gleichberechtigung für unsere Brüder werden, die im Osten von jeher und besonders durch den Krieg so schwer zu leiden hatten. Möchte es ein