Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 50 (10.12.1841)
- Date
- 1841-12-10
- Page
- Seite 393 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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10. December. Nr» 50. 1841 Israelitische Annalen. @tn Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herauögcgcben von Dr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rtdlr. 3 — fl. 5; man subscridirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Das „Bckenntnisi des Proselyten" vom diesseitigen Standpunkt aus gewürdigt (Fortsetzung). — Aktenstücke aus dem Weimarslben. 2. Cmanzipanon?- frage. — Königreich Würtemberg: Amts-Instruction für die Nabbinen. — Nachtrag zum Bericht des H. Terquem, von M. Cr. — Nachrichten und Correspondenzen: Kopenbagcn; Prag; Niedcrungarn; .Raab: Frankfurt a. M. — Literatur: Grammatisches Lebrduch für den ersten Unterricht in der hebräischen Sprache, von Dr. H. W. I. Threrfch. Das „Bekenntnis des Proselyten" vom diesseitigen Standpunkt aus gewürdigt. (Fortsetzung.) In dem dritten Stücke wird gezeigt, wie die Emanzipationsfrage in diesem Jahrhundert die gerechtesten Wünsche zur Sprache gebracht habe, und wie sich alle Welt überzeugt habe, daß gleiche Lasten und Leistungen im Staate auch auf gleiche Rechte einen Anspruch verleihen; wie endlich der Beherrscher eines der größten Staaten Deutschlands seine jüdischen Unterthanen mit dem Sraatsbürgerrechte beglückt habe. (Man hätte hinzufügen können, daß in vielen andern die Rechte noch ausgedehnter zugestanden sind, daß in Kurhessen völlige Freiheit gilt, und daß in mehreren Nachbarstaaten und in den V. St. von Amerika durchaus keine Spur eines gesetzlichen Unterschiedes obwalte, was für die Untersuchungswcise wichtig erscheint.) Plötzlich wendet sich Herr Fr. und spricht also: „So hatten sich die ersten Decennien der neuen Zeit segensreich gestaltet, um (?) in den Freiheilskämpfen die Früchte dieser edeln Saaten reichlich zu ernten. Auf dem Gipfel des deutschen Volkslebens strahlt hell das Licht der Aufklärung, aber tief im Schatten blieb das Judenthum größtentheils unbeachtet im Besitze seiner gerechten Wünsche!" - Welch ein merkwürdiger Widerspruch! Erft gehört die wirkliche Ertheilung des Staatsbürgerrechts in Preußen zu den schönsten Saaten, und dann plötzlich heißt cs, man habe auf die Juden und ihre Wünsche ganz und gar nicht Rücksicht genommen! Wir geben zu, daß noch maucher Wunsch übrig bleibt, aber darf man darum verkennen, daß zwischen der bürgerlichen Stellung der Juden im Jahre 1801 und im Jahr 1841 ein historischer Fortgang liegt, den sonst viele Jahrhunderte nicht Hervorbringen konnten? Eines solchen Undanks wollen wir uns nicht schuldig machen, wenn gleich noch manches zu thun ist, um die Wunden zweier Jahrtausende zu heilen. Aber man merke, wozu diese Phrase dahingestellt ist. „Wo sollte ich nun die Ursache von dieser anomalen Stellung anders suchen, als in der Religionsverfassung des Judenthumes selbst, oder in der des Christenthums?" Wo sonst? Und warum nicht ganz einfach in den Schwierigkeiten, welche jede Abänderung der Legislaturen darbietet? warum nicht in dem Eigennütze derer, welche die Judenschutzgelder einziehen, und diese Einkünfte nicht gerne einbüßen? warum nicht in der unverhchlten Besorgniß mancher Zunfthandwerker, daß sie durch Concurrenz verlieren? Warum nicht in dem Besitzstand überhaupt, welcher sich nicht Lern entschließt, historisch bestehende Vorrechte aufzuopfcrn? Warum nicht in den Vorur-