Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 46 (12.11.1841)
- Date
- 1841-11-12
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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367 Schule in Willna, wo die Obscuranten mit aller Macht ähnlichen Ideen bisher kräftig widerstanden, ist (wie schon aus den Annalen bekannt) in's Leben getreten. Die wichtigsten Unterrichtsgegenstände sind: 1) Thalmud und Zubehör; Lehrer: Juda Eide! aus Minsk; 2) Bibel und Commentar und 3) Grammatik, Lehrer: M. A. Ginzburg; 4) Religion, 5) Deutsche Sprache, Lehrer: Saltind; K) Russische Sprache; 7) Arithmetik; 8) Kalligraphie aller drei Sprachen, auch polnisch. Diese Schule und eine ähnliche von Rosenthal dirigirt, sind nur Privatanstalten, aber von der Regierung genehmigt, und bereits durch zahlreichen Besuch in Blüthe. Kommen erst noch neue, auf Befehl der Regierung zu errichtende Anstalten hinzu, so wird die Frequenz von außerhalb den Wirkungskreis aller noch erweitern, zumal alsdann auch für die ärmere Klasse mit gesorgt wird. Ohne Zweifel wirkt das Beispiel Willnas schon jetzt auf ganz Samogitien und Lithauen, und werden die Bcsserstrebenden durch Energie die Widersacher mit besserm Erfolge abweisen, als in Neu-Saga r, wo ein eifernder Rabbiner, ein junger Mann, ohne vorherige Erlaubniß der Gemeinde, in der Synagoge gegen die Absicht eines dortigen Eomite's zu einer Schule Subscription aufzunehmen, furchtbar eiferte, und obwohl nachher zur Rechenschaft gezogen und mit einem verdrießlichen Proceß bedroht, so daß er die Flucht ergriff, doch so viel ausgerichtet hat, daß die Unternehmer keinen Anklang mehr fanden und der schöne Plan vereitelt ward. Hoffentlich wird die Sache indeß wieder von neuem in Gang gebracht werden. Rheinhessen. Oberingelheim, im Oct. (Schluß). — Die zweite Feierlichkeit, welche vier Wochen nach der Einweihung der Synagoge statt fand, nämlich am 20. Oct. Nachmittags 3 Uhr, ist die Confirmation dreier Mädchen und zweier Knaben. Es ist dies das erste Mal, daß auch Mädchen mit confirmirt wurden, und man war allgemein mit dieser Einrichtung zufrieden, ja, man bedauerte es, daß nicht schon früher der Anfang damit gemacht worden war. Sehr erfreulich war es uns, daß nebst vielen Fremden, auch diesmal andere Glaubensgenossen, Beamte, Geistliche, Schullehrer und angesehene Bürger sich einfanden, um der Feierlichkeit beizuwöhnen. Um 3 Uhr ertönte das Ma Tobu, wechselnd zwischen Chor und Vorsänger in schöner Melodie. Hierauf folgte ein Hallelujah, welches so schön als präcis vom Sängerchor vörgetragen wurde, daß cs die Aufmerksamkeit des ganzen Auditoriums ansprach. Diesem folgte nun ein schöner deutscher Choral aus Johlsohn's Gesangbuch, welcher die Gemüther zu der heiligen Handlung vordereitele. Dann trat Herr Lehrer Schimmel auf die Kanzel, die Confirmanden in feierlicher Stille traten zur Rechten und Linken derselben hin, und nun hielt der Obengenannte eine herzliche und ergreifende Anrede an die Gemeinde, worin derselbe, vorzüglich auf die Nothwendigkeit einer Religlvnsweihe bei der israelitischen Jugend und besonders auf die bisher in dieser Beziehung vernachlässigte weibliche Jugend hinwies; die Worte kamen sichtlich aus dem Herzen und gingen auch zum Herzen. Die Prüfung mit den Confirmanden wurde hieraus von ihm vorgenommen; dieselben beantworteten die an sie gestellten Fragen kurz und deutlich, und bewiesen bei dieser Gelegenheit ihren Eltern sowohl als allen Anwesenden, daß sie die Lehren ihrer Religion nicht allein erlernt, sondern solche begriffen und beherzigt hatten. Herr Schimmel hielt hierauf eine liebevolle Anrede an die Confirmanden, ermahnte sie, ihrer Religion treu zu bleiben und fortzufahren, die Lehren derselben immer besser verstehen zu lernen und den Pfad der Tugend und der Sittsamkeit nicht zu verlassen; es waren dieß Worte, wie sie nur ein liebender Vater zu seinen Kindern sprechen kann, alle Zuhörer waren davon sichtbar ergriffen. Die Confirmanden leisteten den Eid der Treue, und nun fand die Segenertheilung statt. Ein Schlußgebet, so wie noch das Gebet für unfern geliebten Landesvater, endigten diese schöne und heilige Feier, welche in dem Herzen aller Anwesenden in langem Andenken verbleiben wird. Das Mincha-Gebet schloß sich dieser Feier an. Niemand verließ den Gottesdienst vor Beendigung desselben. — lieber diese Feierlichkeit sprach sich hier auch eine Stimme dahin aus, daß der Lehrer Herr Schimmel, der sich auch sonst schon viele Verdienste um die hiesige Gemeinde erworben hat, fortfahren möge, mit gleichem Fleiß und Eifer zu wirken, — möge derselbe den Lohn für seine vielen Bemühungen, in dem eigenen Bewußtsein, Gutes zu stiften, finden, denn eine solche Aussaat muß auch herrliche Früchte bringen. — Zum Schluß dieses Artikels noch einiges über den hier eingeführten Gottesdienst selbst. —Man darf mit Recht behaupten, baß derselbe stets mit der größten Ruhe und Ordnung abgehalten wird. Die Gebete werben von dem Vorsänger und dem Chor tbeils in Recitativen, theils in mehrstimmigen Chorälen vorgetragen; die Gemeinde selbst betet nur ganz leise nach. Herr Schimmel hält öfters recht erbauliche Vorträge, und fast bei jedem Gottesdienste ist die Synagoge auch von andern Glaubensgenossen besucht, was gewiß den Beweis liefert, daß vieles hinsichtlich des Gottesdienstes hier anders und besser geworden ist. L.O. Literatur. rr min ,2 The sacred Scriptures inHebrevv and English. A new trauslation, with notes critical and explanatory, by the Rev. D. A. de Sola, minister to the cougregation of spanish and portuguese Jews, «/. L. Lindenthal, reader and secretary to the New Synagogue, and Morris J. Rap hall (minister to the cougregation in Birmingham.) lieber den Plan dieses Werkes haben wir seiner Zeit berichtet. Cs ist ein schöner Beweis des gegenwärtigen Strebens, daß es in's Leben treten konnte und viel Unterstützung findet. Die Einrichtung desselben ist, wie viele ähnliche, der Text rechts, die Uebersetzurg links, unter beiden die reichen Anmerkungen (etwas zu viel). Die letzter» sind philologisch, exegetisch, antiquarisch, philosophisch, oft aber auch rei« theologisch, zum Theil sogar scholastisch. Der Text ist correct, die Uebersetzung meist gut. Was wir darüber zu sagen haben, betrifft mehr den Commentar. Dieser berücksichtigt, die neuesten Forschungen, auch die der Nicht- Israeliten, was wir natürlich nur billigen. Am Ende jeder parascha ist ein Anhang beigefügt, welcher auf manche allgemeiner» Punkte, auch auf die Gebote aufmerksam macht, welche im ganzen Abschnitte Vorkommen. — Drei Hefte liegen vor uns, sie reichen dis Ge». VI. 2. — Die philologische Seite ist auf jeden Fall in England die bildendere, weil bisher die dortigen Juden lediglich an die alten Commentare gewöhnt waren. Aber auch jetzt geben die Editoren noch manche gezwungene Erklärung nicht auf, worüber wir uns um so mehr wundern, als sie Fürst's Concordanz besitzen, und dann Gelegenheit finden, über Etymologie schärfer zu urtheilen. 1. 2. erklären sie irc als ein Compositum von und was gewiß nicht richtig ist. — Die Ableitung □'22' □ttf (mit einem sin) to place, will uns auch nicht zusagen. — Warum ri!22*: II. 7. erklärt ist, principle of vintality, designating respiration, the lungs, ist nicht abzusehen, eben so wenig, warum hier 203 anders erklärt wird, als I. 20. — IV. 7. übersetzen