Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 45 (5.11.1841)
- Date
- 1841-11-05
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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360 wie gerecht die allgemeine Entrüstung über einen Schmäharlikel ist, welcher jüngst in Leipzig erschienen ist und an Schaamlosigkeit alles überbietet. Zeder Richtigdenkende weiß dergleichen zu würdigen. Auch Herr vr. Geiger hat seine Indignation darüber zu erkennen gegeben. Macte virtute tua, schreibt er, wird mit mir Zeder, der Herrn vr. Holdheim in seinem Leben und Streben beobachtet, ihm aus vollem Herzen zurufen!*) vr. L. Marcus, Advocat, Mitglied dcS israclitiscken OberrathS. Rheinhessen. Oberingel heim, im Oct. 1841.— Es freut mich. Ihnen wieder einiges von hier für Ihre werthen Annalen mittheilen zu können. — Ich glaube, daß es jedem Freund des Lichtes und des Fortschreitens wahrhaft erfreulich sein wird, zu hören, daß man auch in kleineren Gemeinden anfängt, andere und bessere Einrichtungen hinsichtlich des Cultus vorzunehmen. — Schon als ich Zhnen deshalb am 3ten Nov. 183!) berichtete, wurde hier der Anfang zu einem bessern und würdiger abzuhaltenden Gottesdienst gemacht und obschon der Raum der damaligen alten Synagoge sehr beschränkt war, so geschah im Verhältnis zu diesem Uebelstande mehr, als man selbst geglaubt hatte, leisten zu können. Man sah jedoch ein, daß diese Einrichtungen auch mit dem besten Willen nicht würden fortbestehen können, da oft des engen Raumes wegen, rnanche Störung unvermeidlich war. — Eine neue Synagoge zu erbauen, schien jedoch der kleinen Gemeinde, aus kaum 30 Mitgliedern bestehend, keine geringe Aufgabe, zumal da sie ganz kurz nacheinander den Ankauf eines Gemeindehauses, Einrichtung eines Schullocals, Erbauung eines Badehauses und der Ankauf so wie die Einfriedigung eines Begräbnißplatzes zu bestreiten hatte. Da kein Gemeindcfond's vorhanden ist, so mußten diese Kosten tkeils durch freiwillige Gaben, theils durch Umlagen der Gemcindeglieder gedeckt werden. Hier kann man nun recht deutlich wahrnehmen, was der gute Wille und die Liebe zur Religion vermag. Trotz allen diesen Ausgaben brachte es der Vorstand mit Muth und Ausdauer dahin, die Gemeinde von der Nothwendlgkeit eines neu zu erbauenden Gotteshauses zu überzeugen, und obschon wie allenthalben, so auch hier, manches Schwierige zu bekämpfen war, so wurden doch zum Bau einer Synagoge 4000. fl. freiwillig unterzeichnet. Der Bau derselben wurde sogleich unternommen und herrlich ausgeführt; dieselbe ist in orientalischem Styl erbaut und hat deren zweckmäßige Bauart bei Kennern und jedem, der solche gesehen, gleichen Beifall gefunden. — Die Einweihung derselben fand am 27. August d. Z. statt, ich hätte Ihnen über die Art und Weise, wie dieses Fest begangen wurde, schon früher berichtet, wenn ich nicht die Absicht gehabt hätte. Ihnen noch *) Eine noch beigcfügte CY akteristik des berührten Artikels unterdrücken wir, dem Prinzip unsers Blattes gemäß. Wozu auch? Das lesende Publicum weiß schon zu urtheilen. D. H. eine andere Festlichkeit, die drei Wochen später statt finden sollte, zu beschreiben. — Zuvor also von der Einweihung selbst. Nachdem man am Freitag Mittag das Mincha Gebet in der alten Synagoge verrichtet und eine kurze Abschiedsrede in derselben abgehalten worden war, brachte man in Stille die Gesetzrollen in das Vorderhaus der Synagoge; um 3 Uhr Nachmittags wurde die Synagoge geöffnet und die Eintretenden wurden am Portal derselben von den Festordnern empfangen und eingeführt; es ist wohl hier kaum nöthig, zu bemerken, daß dieselbe bei der größten Vorsicht, die gebraucht wurde, bevor noch die Festlichkeit begann, schon besetzt war, daß bei'm Beginn des Gottesdienstes fast Niemand mehr eingelassen werden konnte. Um 4 Uhr wurden die Gesetzrollen aus dem Vorderhaus von dem Rabbiner, Vorstand und Vorsänger abgeholt und in die Synagoge getragen, bei deren Erscheinen eine ergreifende Musik begann, während welcher man die Gesetzrollen in die heilige Lade brachte. Hieraus wurde von dem hier bestehenden Sängerchor mit Begleitung der Musik unter der Leitung des Lehrers Herrn Schimmel, Ma tobu wechselseitig mit dem Vorsänger Herz selb vorgetragcn, und dann eben so mehrere Psalmen unter Musikbegleitung abgesungen; es folgte nun der Segenspruch für Se. königliche Hoheit unfern Landesvater, welcher von dem eben genannten Herrn Schimmel nach schon früher hier eingeführter Weise, würdevoll vorgetragen wurde; hierauf wurde ein deutscher Choral adgesungen, und nun betrat der Rabbiner Herr vr. Sobernhcim aus Bingen die Kanzel und sprach ein wahrhaft ergreifendes Weihgebet, worauf dann die Schlußverse des eben erwähnten Chorals abgesungen wurden. Derselbe Prediger hielt sodann eine erbauliche, der Bedeutung des Tages angemessene Predigt, mit der man allgemein so zufrieden war, daß von Vielen der Wunsch geäußert^ wurde, man möchte solche veröffentlichen; am Schluß' dieser Predigt wurde der schöne Choral aus dem: Iohlsohn'schen Gesangbuch: „Sammelt euch, o Brüder," rc. abgesungen. Der gewöhnliche Abendgottesdienst begann nur mit Chorgesang und Musikbegleitung nach der schon längst eingeführten Weise. Was die. Gesänge nun im Allgemeinen betrifft, so wurden so präcis solche vom Chor und vom Vorsänger ausgeführt, daß dem mit der Leitung des Gesanges beauftragten Lehrer, Herrn Schimmel, so wie dem trefflichen Vorsänger Herzfe ld die vollkommenste Anerkennung von allen Anwesenden wurde. — Die vielen Beamten, Geistliche u. s. w., die sich bei diesem Feste zahlreich einfanden, waren mit der Anordnung und Abhaltung des Gottesdienstes, wie sie wiederholentlich erklärten, sehr befriedigt. (Schl, f.) Anzeige. In meine Erziehungs- und Bildungsanftalt für israelitische Söhne und Töchter können wieder einige Zöglinge ausgenommen werden. 0r. I. Heinemann in Berlin, Alexanderstraße 55. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.