Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 45 (5.11.1841)
- Date
- 1841-11-05
- Page
- Seite 353 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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5. November Nro 45 1841 Israelitische Annalen. E i n Cenrralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rtblr.jL —fl. 5; man subscribirt bei allen lödl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Der neue israelitische Tempel zu Hamburg, von vr. S. Hold beim. — Das Fränckcl'sche HoSpital in Breslau (Schluß). — Herzogtbum Sackscn- Meiningen: Gesetzvorschläge. (Fortsetzung). — Nachrichten und Korrespondenzen: Schwerin (betreffend den israelitischen Oberratb); Oberingelheim (Rbcinbcffcn). — Anzeige. Der neue Israelitische Tempel zu Hamburg. Von Dr. S. Jpplbffeim, Mecklenburg - Schwerin'schem LandeSrabbiner. Wenn ein fremder Israelit nach Hamburg kömmt und außer dem merkantilischen Interesse auch Sinn und Th ei ln ah me für großartige religiöse und gemeinnützige Institutionen und Institute mitten im bunicn Treiben des Welthandels bewahrt, so unterläßt er gewiß nicht, den seit 22 Jahren dorr bestehenden „neuen israelitischen Tempel" zu besuchen und Eindrücke in sich aufzunchmen, die er noch warm genug in seine Heimath mirbringt, um sie dem um ihn versammelten Kreise von Zuhörern mitzutheilen. Indeß kann man vielleicht behaupten, daß von allen den Tempel besuchenden Fremden nur' den kleinern Theil wahrhaft religiöses Bcdürfniß dahin führe. Bei den Meisten mag cs bloße Neugier sein, das, wovon man in der Provinz die verschiedensten Ansichten aussprechen hörte, und was hie und da, in Gesinnung und That, als größere oder geringere Reflexe des Hamburger großen Pharus mehr oder minder treu sich abspicgelt, einmal aus eigener Wahrnehmung kennen zu lernen. Diese Neugier har etwas Gemüthlichcs und Unbefangenes, da sie von dem Grundsatz geleitet zu sein scheint: man soll Alles mit eigenen Augen sehen, prüfen und das beste wählen, und wird ihr auch von dem duldsamen Sinne des Tempels freundlich begegnet und gern Vorschub geleistet. Ucbelwollende könnten freilich diese freundliche Duldsamkeit dahin mißdeuten, daß der Tempel als ecclesia pressa, hierdurch Proselyten machen wolle, wahrend die Synagoge magna als die herrschende Kirche es verschmäht oder gar unter ihrer Würde hält, durch nicht positive Humanitär ihre alten Freunde zu erhalten oder neue zu gewinnen. Indeß wenn auch die erste Triebfeder nichts anderes als Neugier sein mag, so ist sie auf religiösem Gebiete mit der Wißbegier zu nahe verwandt, als daß die Großartigkeit der Erscheinung nicht auch bei dem zum Nachdenken am wenigsten geneigten Menschen die Reflexion wecken und in ihm Fragen anregen sollte, deren Beantwortung, sie möge ausfallen wie sie wolle, zur Förderung des religiösen Bewußtseins unfehlbar beitragen muß. Nach meinem Dafürhalten hat noch kein Unbefangener, der nicht von vorn herein gegen den Tempel eingenommen ist, denselben ohne Erbauung und Belehrung verlassen, und man muß die oppositionellen Stimmungen und Aeußerungen an der Quelle kennen gelernt haben, um es zu begreifen, wie der Tempel seit der geraumen Zeit seines Bestehens in Hamburg selbst so wenige Fortschritte gemacht hat. — Man wird in den Antipathien, in dem Hasse und Vorurtheil gegen den Tempel geboren und erzogen, und die