Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 43 (22.10.1841)
- Date
- 1841-10-22
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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344 ken daß wenn auch die Nichterwähnung im Allgemeinen gerechtfertigt wäre, die Gewißheit des ehemaligen Glaubens an Unsterblichkeit doch etwas zu schwach angedeutet ist. Hierauf geht der Verfasser tiefer in die verschiedenen Ideale, welche das Heidenthum und bas Iudenthum sich vorsetzen, ein; er bemerkt, daß die Wege dahin, Ritus, Askenis und gewisse Gebräuche oft sehr ähnlich erscheinen, aber in ihrem Ziele sich durchaus unterscheiden, indem die Heiden ihrer Moral die Forderung Gott zu werden, die Juden nur die wie Gott zu werden, zum Grunde legen; dies ist hier ausführlich entwickelt; an die Erreichung des Ideals knüpft sich die Hoffnung auf ein goldenes Zeitalter und ein Messiasreich, beides sich nach den Grundbegriffen der Religionen eigenthümlich ausprägend. Hierauf folgt nochmals eine kurze, übersichtliche Darstellung des Iudenthumes (S. 192 ff.) sehr zweckmäßig und scharf gezeichnet. In dieser finden wir aber dieselbe Schwierigkeit in Beziehung auf Tradition, indem sie geradezu als subjektive freie Deutung erscheint, welches uns mit der Idee der Tradition selbst nicht harmoniren will. — Nunmehr kommen wir zur Geschichte des Iudenthumes, welche natürlich hier die Entwickelungsperioben des Geistes beachtet. Dieser ist zuerst blos Object und wirkt nur nach einem regen Gefühle, bis er sein, selbst bewußt wird und in die Periode der Subjectivität tritt; dazwischen liegen mehrere Mischungen. Die beiden Hauptmomente sollen sich auch sonst unterscheiden als Antik und Modern, Gefühl und Vernunft, Prophetie und Tradition, welche „correlate" Begriffe sind. Wir zweifeln, daß dies mehr sei, als eine müßige Schematisirung. In der einzelnen Durchführung des geschichtlichen Vorganges und Kritik dessen, was die Quellen liefern, ist wieder alles interessant, und die Anwendung biblischer Einzelnheiten auf das System mindestens nicht erzwungen. In der Nakionalabsonderung sieht der Df. die Nothwendigkeit einer Theokratie als particuläre Institution, aus welcher 'sich dann das universale Iudenthum zu entwickeln hätte. Diese Ansicht ist im Allgemeinen die der Kirche ebenfalls, nur daß der Vf. weiter unten darthut, daß die Kirche den rechten Universalismus nicht erkannt habe, und daher wiederum ihre Aufgabe nicht lösen könne. Ueber die Auffassung der Staatseinrichtung läßt sich rechten. Wir »ersparen dies auf einen andern Ort. Daß aber (S. 218) der Rath der 70 durch alle Stadien des Volkslebens seit Moses crist-rt habe, können wir nicht zugeben; ohnehin ist die Aeltesten-Institution weder theokratisch noch israelitisch, sondern allgemein patriarchalisch, auch bei den Heiden. Außerdem ist das innere Staalsverbältniß (219) aus der Darstellung nicht klar; wir halten dafür, daß es sich niemals klar entwickelt hatte, sondern in sich selbst zu vielerleiCombinationen hatte, die mit einander sich nicht vertrugen, und daher den Fall des Staates herbeiführtrn. Die Geschichte selbst aber führt der Vf. recht anschaulich durch. Ganz eigenthümlich ist die Art, wie der Vf. die äußern Quellen der Tradition, Thalmud und Kabbala aupaßt. Wir begnügen uns, vorläufig darauf zu verweisen. Ueber ein so reiches Thema in einer kurzen Recension zu urthcilen, wäre sehr gewagt. Noch weniger können wir hier die Darlegung der Ansichten über Christenthum und über die Misuon des Iudcnthums einer sorgfältigen Prüfung unterwerfen. Dies erfordert eine Ausführlichkeit, welche auch selbst, wenn wir den Raum dazu hätten, doch nur denen verständlich wäre, die sich ganz in die Theorie hineingedacht, und alle ihre Verzweigungen genau durchgeforscht hätten. Bei den lehr vielen interessanten Beodachiungcn, welche Herr l>r. F. überall anzuknüpfen weiß, und dem großen Schatze lehrreicher pragmatischer Bemerkungen, die der Verfolg des Buches darbietet, können wir nur den Wunsch äußern, daß dasselbe recht vikle Freunde und Abnehmer finden möge, damit die mancherlei wichtigen Stoffe, welche es dem Denker vorlegt, vielseitig näher erkannt und besprochen werden, bevor die Kritik ein bestimmtes Urtheil ausspricht. Wie dieses auch in Betreff der allgemeinen Ergebnisse ausfallen dürfte, so viel dürfen wir mit Bestimmtheit sagen, daß wir in unsrer Literatur wenige Werke besitzen, welche so reichhaltiges Material des Denkens mitthejlten und so viele interessante Fragen anregten. Und somit scheiden wir von dem Werke, mit dem aufrichtigen Wunsche, daß es dem würdigen Verf. gestattet sein möge, die theologische Literatur fortschreitend zu bereichern. ._ Jugendschrrft. “pn oder Sammlung lehrreicher Geschichten und Erzählungen zur Erweckung achter Religiosität und Sittlichkeit, zunächst für die israelitische Jugend. (Schluß.) Diese Beispiele zeigen zur Genüge, daß die logische Seite des Buches bedeutende Verbesserung erheischt, und wir machen ganz besonders hierauf aufmerksam, weil die Jugendschriftsteller oft gar zu leichtfertig mit dem Geiste der Jugend umgehen, indem sie meinen, sich zu der Faselei der Kindheit herablassen zu müssen, um von ihnen begriffen zu werden. Gerade dadurch wird nur der Verwirrung der Begriffe Nahrung gegeben. — Endlich noch über die ästhetische Seite, wozu man die Correctheit des Ausdrucks mitrechnen darf. Hier finden wir den Styl nicht gehörig gefeilt, und außer manchen Mängeln öfters sogar irreleitenb. Z. B. S. 21 „Einst wurde ihm ein Mensch vorgeführt, der mit der Miene großer Ehrlichkeit zu seiner Entschuldigung anführle." Wer dieß liest, muß erwarten, dieser Mensch sei ein heuchelnder Verbrecher; allein der Verfolg zeigt, daß wirklich ein Mann geschildert wird, der nur aus Noth gefehlt hat. S: 23 ist die Rede von „einem hartherzigen und spröden (?) Schuldner." S. 27. „Denn ohne Religion, folglich auch ohne Vertrauen auf Gott, wurde er wahnsinnig aus Verzweiflung und Gewissensbisse (n)." S. 30. „Ermattet von dem weiten Wege, und niedergeschlagen über die vereitelte Hoffnung des Gewinnstes, sank sein Gefährte nieder und konnte nicht mehr von der Stelle;" ist wirklich die Niedergeschlagenheit bei solcher Veranlassung eine so stark wirkende Ursache, baß ein gesunder junger Mann entkräftet nieder sinkt und sogar in diesem Zustande verbleibt? S. 31. „Er hatte. 6 Kinder, keinen Feldbau re." — S. 37. Je mehr wir nachzuahmen streben, allgemein wohlthätig zu werden, desto mehr nähern wir uns Gott. (Durchaus incorrect). Daselbst: „Ein frommer Mann, der den Beinamen Gamsu hatte, und sein ganzes Leben in fortwährender Buße zubrachte, erzählte einst seinen Schülern die wahrscheinliche Ursache seiner Leiden." Was für Leiden? Hier ist das Wort Buße.so genommen, baß darunter Leiden zu verstehen seien! S. 43. Durch Güte und Vorstellungen, st. durch gütliches Zureden. Das. „Der fromme Jakob har sich durch seine Stiftung tn der Gemeinde ein ewiges Denkmal gesetzt — gewiß mehr — als wenn er sich ein Adelsdtplom gekauft, um seine Religion aber sich wenig oder gar nichts (gar nicht) bekümmert hätte." Ein guter Gedanke, allenfalls mit ironischem Seitenhicbe, aber nickt corrett ansgedrückt. S. 44. „Die Gemeinde hatte ihre eigene Spritze (,) und ohne sich lange zu besinnen, oder ihre (der Gemeinde!) Feierkleider abzulegen, eilte sie, solche an den Ort der Gefahr zu bringen (,) und gaben (!) sich alle erdenkliche Mühe re." Es sei dies nur eine Probe zum Beweise, daß wir nicht allzustreng urthcilen, wenn wir ben.Wunsch aussprechen, daß bei einer zweiten Auflage bas Büchlein scharf gefeilt werden Möge. Lieber wäre es uns allerdings gewesen, wenn die erste mit größerer Sorgfalt burckgesehen worden wäre. Der Verfasser ist übrigens ein Mann, der nach dem Bessern strebt, und dessen Arbeiten Aufmunterung verdienen, weil die Bescheidenheit, mit welcher er auch frühere Bemerkungen zu seinen literarischen Versuchen aufnahm, die gegründete Hoffnung gewährt, daß er alles aufbieten werde, seine Leistungen immer mehr zu vervollkommnen. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.