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Israelitische Annalen · 1841-10-15 · Heft 42 (15.10.1841) · p. Seite 329

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 42 (15.10.1841)
Date
1841-10-15
Page
Seite 329 (sequence 1)
Language
German
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15. October, Nr° 42 1841 Israelitische Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte, Literatue und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3 —fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Die Synagoge im neuen Zabrbunderk. (Schluß). — Skizzen über rie israelitischen Zustände in England rc. (Schluß). — Herzogtbum Sachsen-Meiningen: Gesetzvorschläge. (Fortsetzung). — Nachrichten und Correspondenzen: Frankreich; Ungarn; Brody. — Literatur: Die Religion der Geistes». von Dr. Formstecher (Fortsetzung); Sammlung von Dr. Dessauer. Die Synagoge im neuen Jahrhundert. (Von einem Conservativen.) (Schluß.) Unfern Vorfahren wurde, wie diese skizzirte Darstellung zeigt, das Recht niemals streitig gemacht, Gebete abzuändern, neue hinzuzufügen und je nach dem Standpunkte der Gemeinden und den örtlichen und zeitlichen Verhältnissen ihre Liturgie einzurichten. Um so mehr muß es auffallen, daß in der heutigen Synagoge die herkömmliche, aus den verschiedensten und fremdartigsten Beftandtheilen zusammengesetzte und den längst erloschenen Verhältnissen angepaßre Liturgie als für ewige Zeiten geltend betrachtet werden solle, und daß die bedeutungslosesten Gegenstände und die alles inner» Gehaltes entbehrenden Formeln mit mehr Weihe vorgetragen werden, als die erhabensten Gesänge Davids. So wird der schönste und heiligste Festtag nicht mit einem rührenden oder anregenden Gebet, nicht mit einem andachrweckenden Psalm eingelcitet, sondern mit einem rituellen Formftück, (kol nidre) in Maestoso vorgetragen, und muß drei Mal in wechselnder Tonart wiederholt werden; * *) ferner neh- *) Züngst übernahm ein „Freund der Wahrheit" die Vertheidigung dieses von unfern Gegnern so oft angegriffemen Ideen, wie die Anthropomorphismen, welche wir nach der Lehre unsrer Weisen aus unserm Vorstellungskreise gänzlich verbannt haben, noch in den wichtigsten Gebeten die Hauprftellen ein, z. B. in der Keduscha, die Schilderung der Engel nach Form und Gestalt. Die alten, einfachen, im Thalmud auf- .bewahrten Formeln sind in's Unendliche ausgedehnt und auf eine Weise behandelt worden, wie es dem ursprünglichen Sinn durchaus entgegen ist. So soll nach Ser. 35. b. das Sündenbekenntniß mit leiser Stimme, und nach Joma 87. b. am Versöhnungstage 5 mal abgelegt werden; in unfern Synagogen geschieht cs dagegen 10 mal, und zwar mit lauter Stimme, in vielen Gemeinden sogar singend. Auch die Form desselben entspricht keinesweges der ursprünglichen Idee, denn in dieser sollte das Bekenntniß rein individueller Art sein, und in einem reuevollen Darlegen -er etwa begangenen Sünden bestehen; statt dessen ist nachmals eine alphabetische Mufterkarte von Sünden und Verbrechen in dem Bekenntnisse, die der Galeerensträfling und -er Tugendhafte gleichmäßig recitiren. *) neu Stückes; (s. die neuesten Bl. des Orients). Wenn ihm deine wichtiger» und ersprießlichem Wahrheiten sich darbicten, so hätte er füglich uns diese recht wohl vorenthalten dürfen. *) Joittn 87 sind verschiedene Formeln einzelner Lehrer aufgesührt, später hat man dieselben alle angenommen.

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