Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 38 (17.9.1841)
- Date
- 1841-09-17
- Page
- Seite 304 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133913--1315-3135550- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
304 Literatur. Das Pesach - als Aussöhnungsfeft. Predigt gehalten in der Synagoge zu Saarlouis am Sabbath vor dem Pesachfcfte 5601 (1841) von Joseph Kahn. Saarbrücken 1841. Indem wir über vorliegende Predigt referiren, gestehen wir, daß wir dazu nur von dem befriedigenden Eindrücke bestimmt werden, den selbige auf uns gemacht hat. Die Wahl des Tertes (Malcachl 3,22—24) und dessen Anwendung zeugen von einem feinen Takte beö Predigers, von richtiger und sichrer Auffassung der Zeitverhältnisse und von der lautersten und segensreichsten Tendenz in seinen Bestrebungen. Während wir nicht verhehlen, daß die Sprache im ersten Theile derselben markiger, kerniger und die Schilderung der vier Parteien in den vier Partien (den 4 Kindern der Hagada) lebendiger und markirter zu wünschen wäre, müssen wir mit Dank anerkennen, daß die Deutung dieses Stückes der Hagada recht geistreich ist und der Sache in den Herzen der Zuhörer eine Bedeutung muß gegeben haben, die gewiß nicht unfruchtbar für die Feier des Osieradends geblieben sein kann. Der zweite Theil ist ein seelenvolles Gemälde dieses heiligen Abends, dessen würdige Feier früher die ganze große Gemeinde der (von aller Welt Verhöhnten und Bedrückten) Leibensbrüder in ein höheres geistiges Leben entrückte, wo sie in der Ahnung einstiger Wiederbefreiung schwelgte und sich Hunderttäusende, die nicht öffentlich ihres Daseins sich freuen durften, im Stillen und geheimnißvoll die Hand des Friedens und der Eintracht reichten und den thranenvollen Blick zum Himmel richteten. Hier spiegelt sich der einfachen Darstellung eine solche Wahrheit ab, daß kein Israelit, der von der Wahrhaftigkeit und Erhabenheit unsers Berufes nur den gringsten Begriff und für ächte Menschenwürde nur das leiseste Gefühl hat, diesen Theil wird lesen können, ohne daß sich ihm seine Augen befeuchten, ohne sich einer tiefen Sehnsucht und Rührung erwehren zu können. Menschenfreundliche Entschlüsse, von so eindringlicher Sprache hervorgelockt, können unmöglich verfehlen, sich zur schönen nachhaltigen Blüthe zu entfalten. Predigten solchen Inhalts, die auf eine so zarte und sinnige Weise an die Ausfüllung des großen Risses in der Synagoge gehen, sind wahrhaft willkommen, um uns für die viele Langweile schadlos zu halten, die uns in diesem Fache, mehr als in irgend einem andern, so oft geboten wird. Weitere Gaben in demselben Geiste dürften gewiß so von Zuhörern wie von Lesern mit Dank ausgenommen werden. L. S. Berichte über die neuesten Leistungen der kritischen Schule. Kerem Chemed VI. (Von K—m.) (Fortsetzung.) Nr. 8. Rapaport's Brief an die Verfasser der Broschüre Laroeb (vor der Herausgabe des zweiten Theils.) Väterlich ernst ermahnt er dieselbe in gemüthlicher, würdiger Sprache, nur für die Wissenschaft zu arbeiten, wozu sie allerdings Beruf und Fähigkeit hätten, aber nicht mikrologisch die Schriften der neuen kritischen Schule zu durchsuchen, um irgend einen Fehler zu entdecken oder gar des Verfassers Worte zu verdrehen. Er geht sodann zur Replik der Kritiken von Rabjah über. Aber gerade gegen das Unwichtigste beginnt er den Kampf, z. B. die Beschuldigung zurückzuweisen, als bediene er sich bei seinen Untersuchungen der Hülfe Anderer, die Vertheidigung der Zahlenspielerei u. dgl. Nur eine wichtige Stelle wird mit Nachdruck bekämpft, nehmlich der Satz, daß die Seburäer und Geonim oft Beschlüsse gegen den Thalmud gefaßt hätten. Diese Stelle befindet sich übrigens in R. G. A. LI. Misrachi 75, angeführt im Knes. Hagdolah p. 161 d und von Dr. Cr. im Zion. Vergl. jriDOn Auf. Mikwaoth. Gittin 3. Nr. 9. Rapaport's Angriffe auf Carmoly, weil derselbe in seinem Werke Eldad Hadani, so wie in einem Aufsatze in den Annalen manche historische Date nach seinen Emendationen, aber ohne Quellenangabe, wiedergegeben hätte; ferner, weil derselbe nach einer handschriftlichen Notiz des Gelehrten Komtino die nriö joo für einen Traktat mathematischen Inhalts hält. (Vergl. Annalen 1846. S. 201.) In einer Anmerkung hierzu tadelt derselbe die öffentlichen Organe, die so bereitwillig und flüchtig Carmoly's Berichtigung ausgenommen hätten, ohne erst kritisch zu untersuchen, ob solche wirklich der Zunz'schen Conjektur (G. V. 91. 92) vorzuzieken wäre. Hiergegen erlauben wir uns zu bemerken, daß allerdings den Redaktionen öffentlicher Organe die größte Umsicht anzuempfehlen sei, und sie besonders hierin verletzende Angriffe zurückweisen sollten; wenn aber ein Gelehrter von anerkanntem Rufe eine Conjektur einer andern entgegensetzt, die noch dazu, wie hier, von faktischen Beweisen unterstützt wird, so erfordert das wissenschaftliche Interesse, solche der Oeffentlichkeit nicht vorzuenthalten. Controversen in gemessenem würdigen Tone belebt und fördert die Wissenschaft, spornt die kämpfenden Parteien zu neuen Untersuchungen, neuen Begründungen an, deren Resultate zuweilen von dem nützlichsten Erfolg für die Wahrheit sind. *) Nr. 10.12. Die Replik Rap. auf das berüchtigte Haroeh. Von Seite 118—204 erwiedert R. Punkt vor Punkt seine angegriffenen Sätze und Forschungen, die alle das Ergebniß tief durchdachter Studien wären. Ein tieferes Eingehen in die verschiedenartigsten mitunter wichtigen Bemerkungen ist von einem Gelehrten für einen geeignetern Ort (für die hebr. Monatschrift Zion) beabsichtigt. Nr. 13. 14. Rapaport's Kritik über die Monographie des Gelehrten Hirsch Chajes, Untersuchungen über die Targumim. Die scharfsinnigen Bemerkungen und neuen Aufschlüsse, die R. hier über so mancherlei Gegenstände mittheilt, sind würdig seiner frühern Geistesprodukte. Zn der Einleitung läßt R. den Kenntnissen und dem kritischen Streben des Verfassers volle Gerechtigkeit widerfahren, tadelt aber mit Recht, daß derselbe die Schriften seines Vorgängers, obgleich gelesen und benutzt, selbst da, wo er solche bekämpft, nicht namentlich erwähnt. Nach diesem kurzen aber sehr heftigen Vorworte geht er in's Einzelne des Werkes über, von dem wir folgendes hervorheben. Die auffallende Bemerkung Raschi's zu Lidu8oiüm 49, daß der Targum Onkelos vom Sinai her gegeben sei, welcher CH. eine Stelle »leg. 3 entgegen hält, die ihm nur erklärlich erscheint, wenn der Ausdruck vom Sinai nur sagen will: traditivnal, wird im thalmudischen Sinn gerechtfertigt; freilich ist der Beweis nur nach der thalmudischen Hermeneutik kombinirt und fußt nicht auf historischkritischer Basis. (Was gewinnt die Wissenschaft bei dieser unfruchtbaren Discussion?) (Schluß folgt.) *) Wir müssen hierbei bemerken, daß unsere gelehrten Correspondenten uns bezeugen können, wie viele solche Bemerkungen wir vor der Aufnahme einer Privatdiscussion unterwerfen, und wie manches wir in Folge der Erörterungen gänzlich auf sich beruhen lassen. Das aber ist von keinem Redacteur zu verlangen, daß er alles, was ihm als gelehrte Entdeckung glaubhaft mitgetheilt wird, erst bezweifeln oder bekritteln solle, zumal wenn ein Mann von Ruf dafür einsteht und seine Sache vertritt. Ein solches Verfahren wäre ein sehr tadelnswerther Vorwitz. D. H. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.