Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 37 (10.9.1841)
- Date
- 1841-09-10
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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291 abgesehen von -er Schwäche des höher« Alters, noch an den Folgen eines unglücklichen Zufalls leide, die mich seit Monaten an's Krankenlager fesseln. Dennoch so alt ich bin, so schwach ich bin, so unfähig mit jener Kraft und Entschiedenheit zu handeln, welche die Gelegenheit zu fordern scheint, kann ich doch nicht länger schweigen. Mein Gewissen, die tiefe und heilige Verantwortlichkeit, welche mit der Stelle verbunden ist, in welche es der Vorsehung gefallen har, mich einzusetzen, die Pflicht, welche ich dem heiligen Glauben unsrer Väter schuldig bin, und die Liebe, welche ich für meine Brüder, das ganze Haus Israel, und besonders für die Heerde, welche so lange Zeit meiner Führung anvertraut war, hege, alle tragen dazu bei, mir ein längeres Schweigen zu untersagen. Nachdem ich daher mit dem würdigen R. David Meldola mich darüber benommen, richten wir nunmehr gemeinschaftlich an euch folgende Worte: Meine Herren! Es wird berichtet, daß ein Scknsma seinen verderblichen Einfluß unter uns geltend macht; es heißt, daß eine dissentirende Synagoge im Begriff ist eröffnet zu werden, daß eine neue Art der Feier und Nicht-Feier der Festtage eingeführt werden soll- und daß die Gesetze, Verordnungen und Bräuche, die Gott uns verliehen und unsre Altvordern uns Übermacht haben, nicht mehr bestehen sollen, um Raum zu geben dem,! wovor unser Lehrer Moses, Friede sei mit ihm,! uns so ernstlich gewarnt hat: vout. V. 17.! „Neuem, das von Nahe hergekommen, das eure > Väter nicht gekannt." Und dies alles soll von Män- | nern ausgeführt werden, die in der öffentlichen Achtung hoch stehen, die wir kennen und ehren, und ' deren Einfluß und Beispiel, so heilsam, wenn in einer guten Sache angewendet, bei Unterstützung solcher verderblichen Neuerungen, doppelt schädlich zu werden drohen. Diese täglich an Stärke gewinnenden Gerüchte, welche immer mehr sich bestätigen, nöthlgen uns, an Sie, m. H., die geehrten Häupter in Israel, die von unfern Brüdern erwählten Dcputirten, deren Sorgfalt das Wohl und das Heil unsers Volkes nächst Gott anvertraut ist, uns zu wenden. Möge es nicht heißen, daß unsre Mittheilung zu vorzeitig geschehe, daß wir erst den entschiedenen Akt des Angriffs abwarten sollten, bevor wir Maßregeln des Widerstandes und der Verteidigung ergreifen! Ach! dann dürfte es zu spät sein, denn wenn einmal der erste Schritt geschehen, wenn einmal die Lehre unsrer Weisen zurückgewiesen ist, dann haben wir nicht mehr zu zögern, dann müssen wir thätig sein. Ist die Trennung von Andern begonnen, dann bleibt uns keine Wahl mehr, und wir müssen sie in ihrer ganzen gesetzlichen Ausdehnung durchführen. Es ist demnach jetzt, während das Dasein des Uebels noch bezweifelt werden kann, jetzt ehe bittere Gefühle thätig geworden sind, ehe der erste große Schritt, der immer schwer und öfter unwiderbringlich ist, gethan worden, jetzt, da noch Uebereinftimmung unter uns zu herrschen scheint, und da noch nicht Israels Feinde über öffentliche Zwiespalt unter uns triumphiren können, es ist jetzt noch die Zeit, Sie herbeizurufen, auf daß Sie alle die Weisheir, die Erfahrung, den guten Sinn und alle die Festigkeit, mit welcher der Gott unsrer Väter Sie begabt hat, anwenden mögen, um die Gefahr abzulenken, welche unsrer religiösen Einheit und mit ihr zugleich unserm Dasein droht. Denn wir dürfen uns nicht tauschen. Unser Gesetz bildet eine so vollkommene und scharf durchgeführte Ganzheit, daß wir nicht einen Theil verstehen und befolgen können, ohne das Uebrige dazu anzuerkennen, daß wir Gottes Segen und Schutz nicht zu erlangen hoffen dürfen, indem wir nach eigener Willkühr einen Theil beobachten und den andern verwerfen oder übertreten. Zudem sind wir eine abgeschlossene Gemeinde, von allen Seiten eingeengt und bedrängt. Hier strebt offene Feindseligkeit, uns zu vernichten, und fällt uns an mit der ganzen Gewalt schändlicher Verleumdungen und böslicher Vorurtheile; dort sucht gleißnerische Freundschaft unsre Institutionen zu untergraben und uns von dem Gesetze unsers Gottes und dem Glauben unsrer Väter abzulocken. Beide haben kein anderes Ziel als die gänzliche Vernichtung unsers Gemeinwesens und unsre Vermengung mit der Masse. Bisher hatte der Schutz der Vorsehung in uns die Gefühle der Einheit und der brüderlichen Liebe aufrecht erhalten, und die innige Ueberzeugung, daß wir in Glaubenssachen Alle für Einen und Jeder für Alle stehen. Und da Einheit Kraft ist, so waren wir im Stande, der Gewalt der Verfolger und den Lockungen der Verführer glücklich Widerstand zu leisten. Aber können wir hoffen, daß dies in der Folge noch der Fall sein werde? Dürfen wir hoffen, daß wenn die Flamme der Zwietracht 37*