Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 36 (3.9.1841)
- Date
- 1841-09-03
- Page
- Seite 288 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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288 Provinzial-Rabbiner Gosen und vr. Hoff« abgelegt, verwilligt und angewiesen. So brld sich nun ergiedt, daß sie es bei ihren bisherigen Lehrern so weit gebracht haben, daß man hoffen darf, daß sie binnen einem Jahre die Prüfung als Schulamtscandidaten werden bestehen können, werden sie hieselbst unter specieller Aufsicht und Mitwirkung dcy,gedachten Mitgiieder des Vorsteheramts ausgebildet, und erhalten zu ihrem Unterhalt eine monatliche Unterstützung von 5 Rthlr. aus der gedachten Schulcasse. Die Zöglinge müssen sich unter ausdrücklicher Einwilligung ihrer Eltern und Vormünder verbindlich machen: daß wenn sie späterhin zu einem andern Berufe übergehen, oder eine Lehrerstelle außer der Provinz annehmen, so lange dergleichen in der Provinz vacanl sind, sie der Schuleasse alle Kosten ersetzen wollen, welche für sie bewilligt-worden. Die Prüfung hinsichtlich ihrer Qualification zum Lehramte erfolgt alsdann, durch die vom Kurfürstlichen Ministerium des Innern, für die hiesige Provinz angeordnete Prüfungs-Commission für israelitische Schullehrer, gegenwärtig aus den Herren Provinzialrabbiner Gosen, Inspector Nöting und Rector Weihrauch bestehend. Wie nun durch alle diese Einrichtungen und so erfreulichen Verhältnisse eine wahrhaft gründliche Bildung künftiger Schulmänner und eben damit auch ein tüchtiges Schulwesen erzielt werde, ergiebt sich unter Andern auch daraus, daß die bereits Angestellten hier gebildeten Schullehrer, sich des Beifalls ihres Orts- und Oberinspectoren in hohem Grade zu erfreuen haben. Dieses der Oeffenllichkeit zu übergeben, fühlen wir uns eben so sehr durch pflichtschuldige Dankbarkeit, als auch durch das allgemeine Interesse, welches alle Verhältnisse wahrhaft edler Humanität erregen müssen, in unserm Innersten gedrungen, und das um so mehr, als der Zweck der israelitischen Annalen, so wie ihre fortwährend angehaltene Tendenz hiermit in dem schönsten Einklänge steht. L. A. Stern, SchulamtScandidat. Karaitische Literatur. D'Ti yv i Ahron beit Elia's aus Nicomedien des Karäers System der Religionsp.hilosophie, nebst einem dazu gehörigen einleitenden Tractat des Karäers Kaleb Abba Afendopolo, zum ersten Mal herausgegeben und sprachlich, kritisch und geschichtlich erläutert von Franz Delitzsch. Leipzig bei Joh. Ambr. Barth. 1841. LXXX und 388 ©. gr. 8. splendid gedruckt. Auch unter dem allgemeiner«, noch weitere Ausgaben in Aussicht stellenden Titel: Anekdota zur Geschichte der mittelalterlichen Scholastik unter Juden und Moslemen. Aus hebräischen und arabischen Handschriften herausgegeben von Franz Delitzsch. Wir begrüßen hiermit freudig ein Werk, mit dessen Bearbeitung der rühmlichst bekannte Herausgeber sich den aufrichtigen Dank aller Freunde dieser Literatur erwirbt, und das an Gediegenheit und gründlicher Forschung alles, was in neuerer Zeit bei Edirung handschriftlicher Werke sonst geleistet worden, hinter sich läßt. Es ist nicht bloß unsre Vorliebe für die in der Thal bisher so sehr vernachlässigte, in geistiger Beziehung so reichhaltige ältere Literatur der Karaiten, welche uns dieses Urtheil abbringt, sondern der objektive Werth dieser Schrift insbesondere, welche Herr vr. Delitsch mit Recht als eine der würdigsten betrachtet, und zu welcher er außerdem einen vortrefflichen Schatz von Materialien hinzugefügt hat, die auch dem Kenner viel Neues darbieten, und für die nähere Erforschung der karaitischen Werke früherer Jahrhunderte wichtige vorbereitende Studien barbieten, bei denen der gelehrte Verfasser übrigens dankbar erkennt, was einige Freunde hierzu, seinen Fleiß unterstützend, beigetragen haben. Diese Erscheinung halten wir demnach für so bedeutsam, daßmnr nicht umhin können, sie etwas umständlicher zu betrachten und in ihren Inhalt genauer einzugehen. Die Oekonomie des Ganzen ist diese. Der Verfasser giebt zuerst eine kurze Einleitung, einen Abriß der Geschichte der Philosophie unter den Karäern und die literar-historischen Notizen über den Verfasser des Ez chajim und über diese Schrift selbst enthaltend; ferner eine betaillirte Uebcrsicht derselben; worauf das von Kaleb verfaßte Inhaltsverzeichniß folgt. Einige Seiten sind der Erklärung der in der Haupt- - schrift vorkommenden Abbreviaturen gewidmet, dann folgt der TM, 210 Seiten in Quadratschrift. Die Hülfsmittel zur Förderung des Studiums nehmen den noch bedeutenden Rest des Buches ein. Sie bestehen in einer sorgfältigen Nachweisung der in dem Buche citirten Bibelstellen, in einer Sammlung kritischer und diorthotischer Bemerkungen, in erläuternden Ercerpten aus arabischen Handschriften betreffend philosophische Sekten, die in dem Werke erwähnt werden, ferner einem sehr lehrreichen Onomastiken, einem Ercurse über das Verhältniß dieses Werkes zu dem maimonidischen More Nebuchim, und verschiedenen anderen nützlilichen Zugaben. Schon hieraus ersieht man, wie viel Fleiß auf die gegenwärtige Ausgabe verwendet worden, und wie sehr die Kritik hier mit Material ausgestattet wird. Dem Verleger gereicht es in unsrer Zeit der Verzagung in allen minder ergiebigen wissenschaftlichen Unternehmungen, welche von der flüchtigen Tagesliteratur fast ganz verdrängt werden, zur besondern Ehre, daß er zur Förderung der Wissenschaft die Hand reicht, und wir hoffen, daß sein Vertrauen durch eine freundliche Aufnahme dieses Werkes gerechtfertigt und zu weitern Unternehmungen ähnlicher Art ermuntert werde! — Folgen wir dem gelehrten Herausgeber in's Einzelne. Der erste § des Prolegomenon, welcher einen Abriß der Geschichte der Philosophie unter den Karäern darbietet, scheint uns etwas zu sehr gedrängt, und setzt auf jeden Fall bei der Mehrzahl der Leser zu viel Sachkenntniß voraus. Vielleicht schreitet auch diese allzu kurze Abhandlung zu rasch vor, indem sie den ersten Grund der karäischen Lehre im Dunkel läßt. Wenn aber nirgend ein positiver Anfang gesetzt ist, läßt sich schwer sagen, wie sich der Gedanke fort entwickelt habe. Der Verfasser beruft sich in Betreff des Beginnes der Secte auf Rapaporr Lerem Ciiemed VI. 203. Fast ahnen wir hier einen Druckfehler, indem V. 203 diesen Gegenstand behandelt; aber an diesem Orte ist von der Philosophie Ana ns gar nichts gegeben, und. selbst seine geschichtliche Stelle nicht näher nachgewiefen, als in unsrer Geschichte der Israeliten geschehen ist. Wenn daher Herr Delitzsch in dieser Entwickelung vier Perioden erkennt, so hätten wir dieselben gerne etwas bestimmter charakterisirt gesehen, zumal die bloße Nennung der wenigen Schriftsteller, welche im Laufe von 5—6 Jahrhunderten die karäischen Prinzipien in ihrer geschichtlichen Entwickelung repräsentiren sollen (p. III.) gewiß nicht ausreicht, um letztere erkennen zu lassen, und selbst das weiter unten folgende Onomastikon, worauf Herr D. verweist, sich nicht minder kurz faßt. (Forts, folgt.) Nöthige Berichtigung. S. 371 in der Anmerkung steht Rahel st. Rebekka. Der Fehler fällt dem Abschreiber des Originalmanuscripts zur Last, und konnte in Abwesenheit des Herausgebers nicht corrigirt werden. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.