Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 36 (3.9.1841)
- Date
- 1841-09-03
- Page
- Seite 281 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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3. September. N^° 36. 1841. Israelitische Annalen. EinCentralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben y o n vr. I. M. Z o st. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis desJahrganges Rthlr. 3 — fl. 5; man subscribirt bei allen l'öbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des 2n- und Auslandes. Skizzen über die israelitischen Zustände in England, vornehmlich in London. — Einige freundliche Bemerkungen von vr. 2. L. Saalschutz, gegen Herrn Consistorialrakh und Professor vr. Kahler (Schluß). — Nachrichten und Correspvndenzen: Wilna; Königsberg in Preuße»; Trier; Ungarn: Pestb; St. Nicolau; Nachrichten aus Württemberg; Marburg (Kurhesäsche Schulangelegenheiten.) — Karaitische Literatur. - Nöthige Berichtigung. Skizzen über die israelitischen Zustände in England, vornehmlich in London. Ein Aufenthalt von wenigen Wochen in der Weltstadt London, wo die Gewalt der unendlich vielen und mir riesenhafter Größe auf den Fremdling einherstürmenden Erscheinungen eine Zeitlang alle Reflexion verdrängt und kaum der Erinnerung so viel Ruhepunkte gewährt, um sich selbst über das Gesehene Rechenschaft zu geben, befähigt gewiß auch den scharfsichtigsten Beobachter nicht zu einer vollständigen abgerundeten Darstellung der wahrgenommenen Zustände und Verhältnisse. Der Herausgeber dieser Blätter, von welchem man ohne Zweifel einen etwas. umfassenden Bericht über die israelitischen Angelegenheiten in England erwartet, findet daher für nöthig, sogleich im Eingänge zu erklären, daß er nur einige Skizzen zu liefern im Stande sei, welche indessen genügen werden, um manche bisherigen Urtheile über die Israeliten in England zu würdigen oder zu modificiren, so wie auch einige minderbekannte Thatsachen zur Kunde unsrer Leser zu bringen. Die Beobachtung hat vorzüglich drei Seiten des israelitischen Lebens in's Auge zu fassen, die religiöse, die intellectuelle und die bürgerliche. Alle diese tragen dort das volle Gepräge des vaterländischen Bodens, selbst in ihren von demselben durchaus verschiedenen Elementen so bestimmt an sich, daß man nur durch eine nähere Vergleichung der allgemeinen Zustände Englands dieselben richtig auffassen kann. Wir werden dies jedoch im Einzelnen, um nicht die Granzen dieser Blätter zu sehr zu überschreiten, nur kurz andeuten, und uns mehr auf Darstellung des Tharsächlichen beschränken. Religiöse Entschiedenheit charakterisirt ganz England. Der Hang zur gesetzlichen Bestimmtheit und Festigkeit in allen Lebensverhältnissen giebt auch der Religion diese Richtung. Daher die Sectirerei nirgend (ein Theil Nordamerika's ausgenommen, welcher indeß noch ganz den englischen Geist arhmet) häufiger und ausgesprochener, der Jndifferentismus dagegen seltener und kraftloser, als eben in diesem Lande. Sobald sich eine Unzufriedenheit mit dem bestehenden religiösen Gesetz einfindet, strebt der Engländer sofort danach, eine andere, seiner Gesinnung zusagendere Ordnung zu erlangen, und die Gleichgesinnten bilden eine neue Kirche; ein Zwischending von Schein-Unterwerfung und heimlichem oder individuellem Abfall ist ihm lästig und bald unerträglich. Dieser Charakter findet sich bei den Israeliten mit derselben Consequenz, obwohl die Sectirerei hier noch in mancherlei Verlegenheit geräth und sich nicht so bestimmt entwickeln kann. Das religiöse Gesetz der Israeliten ist nämlich durch das