Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 32 (6.8.1841)
- Date
- 1841-08-06
- Page
- Seite 249 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3133765-3133874-3133907--1254-3135483- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
6. AUgU Nro 32 1841 Israelitische Annalen. Ein Centralblatt fiir Geschichte» Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost- Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3 —fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Nackrus an MoseS Blech. — Aktenmäßige Darstellung, betreffend die frommen Spenden :c. (Fortsetzung.) — Erwiederung, betreffend die Kusari- Ausgabe. — Nachrichten und Correspondenzcn: Böhmen; Berlin; Bernburg; Luxemburg. — Literatur: (Proleg. zu Esther (Schlup). — Anzeigen. Mpses Bloch. (Geboren 1803, gest. 13. März 18-11.) Nachruf von Leopold Schott, Rabbiner in Randegg. Die israelitischen Annalen haben in Nr. 24 denkenslverthe Notizen über diesen würdigen, zu früh verstorbenen Rabbiner geliefert. Als Landsmann von Gebuxt, als Studien- und beständiger Freund des Verewigten, und vielleicht zu einigem Tröste seiner betrübten Wittwe, erlaube ich mir hiermit, etwas ausführlicher über sein Leben und Sterben zu berichten, und ich hoffe, nicht ohne Theilnahme der gebildeten Leser dieser Blätter. — Das Leben unseres Bloch's zerfällt in 4 Perioden, die mit einem ihrer würdigen Dahinscheidcn endigen. Wenig ist aus der ersten, der Kindes- und Knabcnzeit, zu erzählen, als etwa, daß sie eine nur halb gelungene Vorbereitung zur zweiten, den ernftern Studienjahren war. Der Thalmud galt seinen Eltern, und natürlich auch ihm, dem Knaben, schon frühe, als das höchste Studium, und wurde von ihm zuerst im Vaterorte, sodann zu Endingen im Kanton Aargau bei Lehrern, die selbst noch gar nicht begriffen, daß sie der krassesten Orthodoxie angehörten, (denn sie hatten keine Ahnung von Heterodoxie) mit ungemeffencm Fleiße nach alter Weise erlernt. Kcnntniß der heiligen Schrift war Nebensache, Mischna und Gemara allein hingegen als reizende Früchte am Lebensbaume der Religion, und durch ihren Genuß vorzüglich hoffte man höchste Erleuchtung und ewiges Leben zugleich zu erzielen. — Zwei Jahre brachte Bloch in Endingen zu; in seinem 15ten tritt er in die zweite Periode, er geht nach Karlsruhe, wo damals (1820) das Thalmudftudium blühete, stellte sich unter die Aegide des in diesem Fache mit Recht anerkannten I. E t t l i n g e r, hörte auch bald die gründlichen und geistreichen Vorträge des berühmten Oberlandrabbiners Ascher Löw, und widmete sich aber auch mit großer Liebe dem lebendigen Worte der heiligen Schrift, den Forschungen der jüdischen Religionsphilosophen und der neuhebräischen Literatur. Ohne geregelte Anleitung / in welcher nachtheiligen Lage die Jünger der jüdischen Theologie sich jetzt noch regelmäßig befinden, konnten so vielfache Studien unserem Bloch nur mit der größten Anstrengung gelingen. Aber mit begeisternder Liebe und Zuneigung für höhere Erkenntniß verband er einen energischen Charakter, ihm galten Nächte wie Tage, um seinen Wissensdurst zu löschen; daher war er auch bald einer der ausgezeichnetsten Schüler in jeder Hinsicht. Er ward bibelfest, schrieb ein zierliches Hebräisch, und verehrte das Chilluk-Wesen; je schwindliger die Controvers-Gebäude in die Luft stiegen, mit desto seelenvollerer Bewunderung folgte er ihrem Schwünge; zeigte sich aber auch nicht selten als gewandter Kämpe,