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Israelitische Annalen · 1841-07-02 · Heft 27 (2.7.1841) · p. Seite 209

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 27 (2.7.1841)
Date
1841-07-02
Page
Seite 209 (sequence 1)
Language
German
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s. Juli. Nr° 27. 1841. Israelitische Annalen. Ein Centralblalt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. I o ft. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Zahrganges Rthlr. 3—sl. S; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Begriff und Bedeutsamkeit der Reform, von B. M—sch in Ungarn. — Gefcbkchte und Literatur der spanischen Juden (Forts.). — Ueber neue Synagogen in Würremberg. — Nachrichten und Correspondenzcn: Frankreich (betr. den Friedhof zu Paris); Hohenems (Schluß); Würtemberg (Statistisches). — Literatur. — Notiz. — Anzeige (Zion Nr. 10). Begriff und Bedeutsamkeit der Reform. Von B. M—fch. in Ungarn. Wenn man die heilige Schrift überhaupt und die Propheten insbesondere mit einiger Aufmerksamkeit durchgeht, dann einen Blick in den Thalmud wirft; so kann man sich wahrlich des hohen Erstaunens nicht erwehren, über die Entgegengesetztheit der Geistesrichlungen und Bestrebungen eines und desselben Volkes, obwohl in verschiedenen Zeiten und an theilweise verschiedenen Orten. Während die heiligen Sänger und Propheten überall nur auf den Geist, auf den Inhalt dringen, die leeren, todten Uebungen als eine Art Götzendienst betrachtend, — weil ein höchst weises, geistiges Wesen kein Gefallen an solchen Uebungen haben kann; machen die Thalmudiften das Aeußerliche, die Form bis zur Trivialität zum Vorwurf ihrer Betrachtungen und Bestrebungen; und während die Diskussionen über die Fragen, ob ein an einem Festtage gelegtes Ei zu genießen sei; wie hoch und breit die Wände an einer Laubhütte sein müssen u. dgl. Folianten füllen*), werden die inhaltschweren Gebote: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst," „liebe den Fremden wie dich selbst," u. a. m. fast gar nicht erwähnt! *) Dies ist an sich nicht eigentlich tadelhaft. Ueber Moral und innere Religion war man einig, daher keine Diskussion. 2- Dieses Erstaunen wird noch erhöht, wenn man erwägt, daß diese Sänger und Propheten zu einer Zeit lebten, wo das Religiöse mit dem Politischen auf das Innigste verbunden, verschmolzen war, wo also Formalitäten und Aeußerlichkeiten nicht ganz entbehrlich sein konnten! wohingegen die Thalmudiften*) nach der Zerstörung alles jüdischen Staatslebens wirkten, und also nur auf das Religiöse beschränkt waren. Aber eben dieser politische Tod mit den ihn begleitenden Umständen ist auch ein Haupt- Erklärungsgrund solcher Entgegengesetztheit. Zuvor nur noch eine kleine Bemerkung. Vor Eintritt einer religiösen Gesetzgebung und so lange der Mensch sich selbst seine religiösen Handlungen vorschreibt, können diese unmöglich in leere Formen ausarten; sie mögen in was immer bestehen, so müssen sie stets einem gottergebenen Gefühle entquellen, sonst würden sie nicht geübt werden, da sie keinen religiösen Charakter an sich tragen. Erst nach einer solchen, gleichviel ob göttlichen oder menschlichen, Gesetzgebung, wo dem Menschen von Außen her Handlungen vorgezeichnet werden, kann und muß der diesen innewohnende Geist durch starkes Hervorheben und Ausdehnen derselben verflüchtigt werden. — Die mosaischen Gesetze zerfallen bekanntlich in zwei Klassen, *) Einige wenige ausgenommen, die sich übrigens mehr dem Prophetismus als dem Thalmudismus annäherlen.

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