Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 23 (4.6.1841)
- Date
- 1841-06-04
- Page
- Seite 178 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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178 höher» Civilisation, zu fördern, -a si e allein dazu führen möchten, auch die letzten noch auf uns lastenden Ausschließungen beseitigt zu sehen? Solche Förderung wissenschaftlicher und künstlerischer Bestrebungen unter den Juden ist das Ziel . des jetzt in das Leben tretenden Cultur-Vereins. Seine Thätigkeit soll in der Hervorrufung und Unterstützung tüchtiger Leistungen auf den bezeichncten Gebieten bestehen, und zwar glaubt er diese Zwecke zunächst in folgender Weise zu erreichen: Der Verein will es sich angelegen sein lassen, das Erscheinen solcher von jüdischen Autoren verfaßten guten Schriften zu befördern, die nicht leicht ein großes Publikum und daher auch schwer einen Verleger finden, zumal wenn der Verfasser keine einflußreiche öffentliche Stellung bekleidet. Es übernimmt sonach der Verein die Aufgabe, zugleich mit der Förderung des Werkes selbst, dem Autor einen Theil des Lohnes, der diesem erst mit der Zeit zuerkannt würde, schon vorweg zu gewähren. Das Kapital, das er auf diese Weise anlegt, wird gewiß der Wissenschaft und dem Leben die edelsten Zinsen tragen. Durch die strengen Prüfungen, die unsere Statuten vorschreiben, ist die Bürgschaft gegeben, daß nur Würdiges geschützt, nicht aber Unnützes gepflegt werde. Es sollen ferner tüchtige Gelehrte durch Geldmittel in den Stand gesetzt werdeü, sich an größere wissenschaftliche Unternehmungen zu wagen, ohne daß die Sorge für ihren täglichen Unterhalt ihrem Gemüth die Ruhe raube, die zum Gedeihen solcher Arbeiten unbedingt erforderlich ist. Nicht minder wird aber der Verein auch seine Aufmerksamkeit auf Studirende und Kunftjünger richten, deren ungewöhnliche Fähigkeiten zu der sichern Hoffnung berechtigen, daß sie einst eine achtbare Stellung unter den Gelehrten und Künstlern ihrer Zeit einnehmen werden. Demnächst wollen wir versuchen, die Lösung wichtiger zeitgemäßer Fragen, besonders auf denjenigen Gebieten der Wissenschaft, die das Judenthum berühren, durch Preis-Aufgaben hervorzurufen; auf diese Weise werden gelehrte Christen und Juden ihre Kräfte den Zwecken des Vereins widmen. Endlich wird der Verein bemüht sein, würdigen Gelehrten und Künstlern unseres Glaubens, so weit für dieselben eine öffentliche Wirksamkeit im Kreise jüdischer Gemeinden möglich ist, eine solche durch Verwendung und Empfehlung zu verschaffen. Es geht aus dem Allen hervor, daß unser Verein keinesweges eine Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Kunst an und für sich ist; — ein Gelehrten-Verein, eine Akademie will er weder sein noch scheinen. Aber auch nicht als eine bloße Unterstützungs-Gesellschaft für eine bestimmte Klaffe von Individuen im Sinne anderer wohlthätiger Vereine will der unsrige wirken; er hat vielmehr die Förderung des gesammten Judenthums durch Pflege von Wissenschaft und Kunst innerhalb desselben im Auge. Er will die Kräfte wecken, wo sie schlummern, will das Talent aufmunkern, wo es ohne Unterstützung verkümmern würde, und will im Namen der Gesammtheit, so weit er deren Stimmen und Mittel in sich vereinigt, die Leistungen des Einzelnen ehren und belohnen. Wir denken hierdurch unter unfern Glaubensgenossen nicht bloß Wissenschaft und Kunst, sondern auch, indem dem Verdienste Anerkennung zu Theil wird, den Gemeinsinn und das sittliche Bewußtsein, die ja am meisten durch die von ihrer Zeir anerkannten Geister gehoben werden, zum Wohle des Judenthums, wie des gemeinsamen deutschen Vaterlandes, zu beleben und zu fördern. Ja, zum Wohl und zur Ehre des Vaterlands denken wir zu wirken. Nicht auf den engen Kreis unserer Stadt wird sich, wie wir mit Zuversicht erwarten, die Theilnahme an unserm Vereine beschränken. Vielmehr ist in demselben die Gelegenheit dargeboten, das Interesse an den Fortschritten des Judenthums, das sich in neuerer Zeit überall kundgegeben, in thätiger Weise darzulegen. Unser Verein, durch dieses Interesse gefördert, kann mit der Zeit einen Vereinigungs-Punkt für jüdische Wissenschaft und Kunst in Deutschland bilden. Die edlern Kräfte, durch ihn einander näher gerückt, werden sich zu gemeinschaftlichem Wirken anregen und es können dann Werke in's Leben treten, die kein Einzelner auszuführen vermocht hätte. So wird der Verein in allen seinen Beziehungen das Gute zu fördern bestrebt sein, und unter Gottes und edler Menschen Beistand das Ziel, das er sich gesteckt, auch wohl erreichen. Wenn.gleich langsam und nur allmählich, werden doch die Erfolge, die er im Auge hat, sicher eintreten, wenn er, wie zu hoffen ist, im Publikum diejenige warme Theil-