Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 15 (9.4.1841)
- Date
- 1841-04-09
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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120 das gewählte Handwerk oder die Landwirthschaft an ll dem Sitze des Vereins oder in dessen nächster Umgebung unter den Augen des Vorstandes erlernen." Diesen Veränderungen zufolge wurde der bisherige Name in den eines Unterstützungs-Vereins für israelitische Ackerbau- und Handwerkslehrlinge in Bauern umgewandelt. Möge nun nie wieder das Wirken dieses Vereines eine solche Unterbrechung stören; denn wie leicht könnte ein so schönes, Menschenwohl förderndes Institut untergraben werden. Mögen aber auch alle Israeliten Bayerns dazu beitragen, daß der Verein Mittel und Kräfte erreiche, die es ibm möglich machen, nach allen Seilen hin zu wirken. Wahrlich, es ist Pflicht der Rabbiner und Gemeinde-Vorsteher, sich mit allem Ernste an den hiesigen Ausschuß anzuschließen, denselben nach Kräften zu unterstützen oder Filiale zu bilden. Dann erst, wenn sich der Verein nach allen Theilen des Landes hin verzweigt, wenn in jedem Kreise ein oder mehrere Filiale bestehen, ist kein so verderblicher, dem Vereine höchst schädlicher Stillstand zu fürchten, und viele Väter werden mit Freuden die Gelegenheit ergreifen, ihre Söhne durch Erlernung eines Handwerks oder des Ackerbaues sich und dem Staate zu nützlichen Bürgern zu erziehen. Amsterdam. — So viel von den Bestimmungen des verstorbenen Herrn De Vries bis jetzt bekannt worden, (s. Nr. 10 der Annalen), so erhält jetzt das Seminar 1000 fl., und nach dem Tode der einzigen Tochter und Erbin 2000; ferner die jüdische Armenschule und das neue Spital, jetzt 1000 fl., späterhin 20,000s Jedes der zwei jüdischen Haupt-Waisenhäuser jetzt 1000 fl., späterhin 15,000. Außerdem aber sind nicht nur alle andern deutschen und portugiesischen wohlthätigen Anstalten und Stiftungen bedacht, sondern auch alle christlichen Kirchen. Literatur. Was ist der Hauptbegriff und die Hauptbestimmung eines israelitischen Priesters und Geistlichen jetziger Zeit? — Predigt (11. Febr.) von 26. S. Rothenheim in Wallerstein. (Vgl. vor. Nummer). Nördlingen, Beck'sche Buchhandlung. Die obige Frage beschäftigt in unsrer Zeit viele Denker. Ihre Beantwortung ist von wichtigem Einflüsse auf die Wahl der zu bestellenden Rabbinen,.auf die an dieselben zu richtenden Anforderungen, auf das^Urtheil der Welt über die Culturfortschritte der Israeliten, auf die Art, wie die Rabbinen wirken, und auf das Ansehen, das sie bei'm Volke ansprechcn; lauter Punkte von hoher Wichtigkeit für die Fortbildung und theilweise für die Gesetzgebung. In den wesentlichen Stücken trifft Herr R. fast ganz und gar mit vr. S.. Hold he im zusammen, ohne, wie es scheint, dessen Rede vor Augen gehabt zu haben. Zum Texte hat er Mal. II. 6. Was dort auf die Priester gesagt wird, ivßohet er auf die Lehrer an, welche nach dem Untergang des*Staates deren Lehramt zu versehen haben. Wie dies Lehramt beschaffen sein müsse, als Verkündung des Glaubens, Ermahnung zur Liebe und überall Verbreitung der Wahrheit, setzt er klar auseinander; und insbesondere weist er darauf hin, wie es die Bestimmung der Synagoge sei, daß in ihr und von ihr aus dies Lehramt gehandhabt werde, und zwar nicht bloß durch das Wort des Geistlichen, sondern und noch mehr durch sein Leben, welches ein Muster sein müsse der Wahrhaftigkeit (fern von' jeder Heuchelei) und der Freimüthigkcit, so wie der lebendigsten Thätigkeit für die innere Sittlichung der Gemeinde; worauf er das Volk selbst ermahnt, diese Ansprüche an ihren Geistlichen zu machen, ihn nach Maßgabe seiner Pflichterfüllung anzuerkennen, nicht aber von ihm, wie ehemals die Großen, zu verlangen, daß der Geistliche den unrichtigen und unlautem Ansichten des Volkes sich anbequeme; so mit auch ächte Belehrung bei ihm zu suchen und von ihm anzunehmen. Die Diction ist populär und dem Zwecke angemessen. ^ntr> rten t?d mit □v,nn -pi von Jakob Lissa, (neue Ausgabe,) bei I. S. Adler in Frankfurt am Main. Dies Gebetbuch, bedeutend vermehrt durch Hinzufügung aller liturgischen Stücke für die Halbfeiertage und besondere Gelegenheiten, so wie durch manche bisher noch ungedruckte Notizen (zu denen besonders mehrere von Herrn Aron Fuld zu Frankfurt am Main verfaßte, gewiß Vielen sehr willkommene Bemerkungen zu rechnen sind); außerdem sehr gefällig ausgestattet, ist allen, welche etwas Vollständiges zu besitzen wünschen, sehr zu empfehlen. Wik begnügen uns damit, alle Sachkenner auf diese Ausgabe aufmerksam zu machen. _._ Vermischtes. In Nr. 11 der Annalen wird der Gebrauch zur Zeit des abnehmenden Mondes keine Ehen zu schließen, ein „in ganz Deutschland noch rechtsgültiger und von den Rabbinen streng gehanbhabter Gebrauch" genannt. Gottlob, daß dem durchaus widersprochen werden kann. Ich selbst habe schon viele Trauungen in der bezeichneten Zeit vorgenommen und auch viele meiner Collegen, nicht bloß wissenschaftlich Gebildete, sondern auch Orthodoxe, im gewöhnlichen Sinne des Wortes, scheuen sich nicht, dieses zu thun, wenn das Volk auch nicht den geringsten Anstand nimmt. Selbst der, der Aufklärung gewiß nicht holde Rabbiner zu Würzburg kann als Beispiel angeführt werden. Was die Sache selbst betrifft, so ist der Gebrauch nach Beth Joseph (Jora Dea 179) nichts weiter als Svmbol, wie man z. B. früher den Gebrauch hatte, den König an der Quelle zu salben als Symbol, baß dessen Regierung sich verlängern möge! — Ein Rabbiner in Bayern. Nöthige Berichtigung. In dem Kahn'schen Berichte Nr. 13 hat bei'm Copiren und resp. Abkürzen des undeutlichen Manuscripts der Copist unter Saarlouis (S. 104) nach den Worten: Das Wichtigste, die Worte: „was die jüngere Generation hier gestiftet" ausgelassen, die wir hiermit nachholen. Auch ist S. 103 St. Wendel und Herchweiler und S. 104 Wellingen zu lesen. D. H. Anzeige. In unserm Verlage ist erschienen: Das jüdische Schullehrer Seminarium in Berlin. Preis 5 Ngr. Die bei der Eröffnung des Seminars gehaltenen Reden so wie der beigefügte Lehrplan dek Anstalt geben Auskunft über Zweck, Bedeutung und innere Einrichtung derselben. Veit 8f Comp. Druck und Verlag von Johann David Sauerlander in Frankfurt am Main.