Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 14 (2.4.1841)
- Date
- 1841-04-02
- Page
- Seite 110 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Bemerkungen zu dem Aufsatze des Herrn Bezirksrabb. Gr. Grünebaum in Landau: „das Israel. Schulwesen in der Pfalz" von Dr. Phil. Ehrenberg in Wolfendüttel. (Schluß.) Zetzt noch einige Worte über die Vertheilung des Unterrichts nach den Klassen. i. Erste untere Klasse (durch I bezeichnet). Da hier weniger Lehrgegenstände sind, so bedürfen die Kinder auch einer geringern Anzahl Halbstunden zu dem persönlichen Unterrichte des Lehrers. Wir nehmen folgende Eintheilung für dieselbe an: 1) Biblische Geschichte und 'Sittenlehre. 3 Halbstunden. Ich stimme ganz den Bemerkungen des Hrn. Gr. bei, daß in dieser Kl. vom Katechismus und fest ausgeprägtem Systeme der Religion nicht die Rede sein darf. Die Kinder müssen zuvor gleichsam das Greifbare der Relig. in sich aufnehmen, ehe sie zum Geistigen schreiten. Wärme und Einfalt des Vortrages ist die Hauptsache. Als Leitfaden ist zu empfehlen für den ersten Anfang: Cohn und Dinkelspiel Erzählungen der heil. Schr.; später: Büdingers kleine Bibel. 2) Anschauungs- und Sprechübungen. 3 Halbstunden. Ich wundre mich sehr, daß Hr. Gr. diesen so wichtigen Theil des Unterrichts ganz unerwähnt läßt. Die elementar. Denk- und Sprechübungen, wie sie Wurst in der angeführten Schrift genauer durchführt, sind von so unendlicher Wichtigkeit für die Entwickelung der selbstbewußten Denkkraft, für die Vervollkommnung im mündlichen und schriftlichen Ausdruck, für Orthographie rc., daß diese Uebungen auf keinem Lehrplane fehlen sollten. 3) Schreibleseunterricht rc. 9 Halbstunden. In der untern Kl. soll eine feste Grundlage für das Schreiben und Lesen gelegt werden, zuerst beide gemeinschaftlich, darum der obige Namen; dann getrennt. Da das Lesen wohl überall nach der Lautirmerhode gelehrt wird, so kann man im Anfänge die deutschen und hebräischen Buchstaben nach Tabellen zugleich vornehmen; dies erleichtert, wenn auch zuerst etwas mühsam, den später» grammatischen Unterricht außerordentlich. Für den ersten Unterricht im hebräischen Lesen ist zu empfehlen: Preßburger's hebräische Fibel. 4) Rechnen. 3 Halbstunden. Zusammen 18 Halbstunden. n. Zweite Klasse (durch 2 bezeichnet). 1) Bibische Geschichte und Sittenlehre.. 2 Halbstunden. 2) Bibel in der Ursprache. 3 Halbstunden. Natürlich nur die leichtern Stücke; am besten nach Iohlsons trefflichen Auszuge rvON rvf6in- Die Vocabeln werden vorher oder nachher ausgezogen und gelernt. 3) Uebersetzen der Gebete. 2 Halbstunden. 4) Uebungen im hebr. Lesen (mit Kl. 1). 2 Halbstunden. 5) Hebr. Sprachübungen. 1 Halbstunde. Da bei den Leseübungen die Grundregeln der Grammatik durchgenommen, und bei den unter Nr. 2 und 3 genannten Unterrichtsfächern eingeübt werden müssen, so möchte 1 Halbst, für die eigentl. Sprachübungen genügen. Zu diesen grammatischen Uebungen weiß ich keinen bessern Leitfaden zu empfehlen, als meines Vaters (S. M. Ehrend erg) Praktisches Elementarbuch zur Erlernung der hebr. Spr. — eine Schrift, die auch der obern Klasse genügenden Stoff zu den Sprachübungen darbietct und ganz in dem Sinne der Wurst'schen Schriften bearbeitet ist. In ' dem homiletischen Beiblatt zu. Nr. 60 der 3lüg. Ztg. des Iudenth. 1839 habe ich weitläufiger über die Methode .des hebr. Elementarunterrichts geredet. 6) Denkübungen (verbunden mit dem Lesen und mündlichen oder schriftlichen Wiedererzählen der wichtigsten Begebenheiten aus der allgem. Weltgeschichte) combinirt mit Kl. 3. 2 Halbstunden. 7) Deutsche Sprachlehre. 4 Halbstunden. 8) Rechnen. 4 Halbstunden. 9) Geographie. 2 Halbstunden. Der geographische Unterricht wird häufig noch sehr trocken und geisttödtend erlheilt. In dieser Kl. muß die Erde in den allgemeinsten Verhältnissen und namentlich das Bleibende auf derselben zur lebendigen Anschauung gebracht werden. Dringend möge den fortstrebenden Lehrern Herrn Gutsmuths Methodik des geogr. Unterrichts empfohlen sein, die einen tiefen Blick in die Fortschritte der Erdkunde nach C. Ritter's Grundsätzen gewährt. — Ueberhaupt würde Herr Rabbiner Gr. sich ein unvergängliches Verdienst um das Schulwesen seines Kreises erwerben, wenn er solche Handbücher und Methodiken den verschiedenen Lehrern mittheilte und von diesen verlangte, daß sie durch Berichte nach einer bestimmten Zeit bewiesen, ob sie in den Sinn der Methodik gehörig eingedrungen wären und dieselbe sich zu eigen gemacht hätten. 12) Singen (mit Kl. 3 und den altern Schülern der Isten Kl.) 2 Halbstunden. Sehr auffallend war es mir, den Gesangunterricht unter den von Herrn Gr. angegebenen Lehrgegenständen gänzlich zu vermissen, obgleich Hr. Gr. mit Recht täglich vor Beginn des Unterrichts einen Choral verlangt. In jeder Schule sollte die größte Sorgfalt auf Einübung eines tüchtigen Chors verwandt werden. Zusammen 28 Halbstunden. in. Dritte oberste Klasse (bezeichnet durch 3). 1) Religion. 2 Halbstunden. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß bei stattfindender Einsegnung (Confirmation) wöchentlich mindestens noch eine ganze Stunde (etwa am Sabbath) der Vorbereitung zu jenem feierlichen Acto gewidmet werden muß: was besonders an solchen Orlen, in Lenen ein Rabbiner wohnt und natürlich selbst den Religionsunterricht besorgt, leicht einzurichten ist. 2) Bibel in der Ursprache. 3 Halbstunden. 3) Uebersetzen der Gebete. 2 Halbstunden. 4) Hebräische Sprachlehre. 1 Halbstunde. 5) Denkübungen (S. Kl. n, 6). 2 Halbstunden. 6) Deutsche Sprache. 4. Halbstunden. T) Rechnen. 4 Halbstunden. 8) Geographie. 2 Halbstunden. 9) Zeichnen. ) 2 Halbstunden. 10) Kalligraphie ((mit Kl. 2). 2 Halbstunden. 11) Singen ) 2 Halbstunden. 12 Naturgeschichte und Technologie. 2 Halbstunden. Zusammen 28 Halbstunden. Dertheilt man die für die combinirten Klaffen vertheil-