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Israelitische Annalen · 1841-03-12 · Heft 11 (12.3.1841) · p. Seite 81

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1841
Issue
Heft 11 (12.3.1841)
Date
1841-03-12
Page
Seite 81 (sequence 1)
Language
German
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12. März. 91™ 11. 1841. Israelitische Annalen. ein Centralblatt für Geschichte, Literatue uu- Cultur -er Israeliten aller Zeiten nnd Länder. Herausgcgeben von vr. I. M. Jost. Don diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3 —fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des Zn- und Auslandes. Ueber jüdischen Aberglauben. — Kabira. Bemerkungen von S. Dl u n k in Paris (Schluß). — Uebcr die Resultate des Herrn Luzzato, vonEichenbaum auS Odessa. — Nachrichten und Eorrespondenzcn: Petersburg; Paris (Fortsetzung); Böhmen: Prager Zustände; Morgenland: über Hamadan. — Anzeige. Ueber jüdischen Aberglauben.*) Ist auch jeder Aberglaube, dessen Ursprung in dem finstern Wahn des Judenthums zu finden ist, dem reinen mosaischen Gottesglauben fremd, und widersprechen auch die -Fabeln und Mythen mit dem zahllosen Gefolge abergläubischer Schreckgebilde, Zaubertrug und Tagwählerei dem einfachen Gesetze : „Ganz sollst du dich halten an Gott," Veut. 18. 19, aus welcher Stelle auch im Thalmud, Pes. 113, das Verbot, an astrologische Wahrsagung zu glauben, hergcleitet wird, so erhielt sich dennoch zu keiner Zeit dieser geoffenbarte Gottesglaube in seiner ungetrübten Reinheit, und mythologische Fabeln mit heidnischen Begriffen fanden willige Aufnahme bei'm unwissenden Volke. Selbst die weisen Thalmudisten bewegten sich hierin zum Theil selbst in einer beschränkten Jdeensphäre, und vermochten sich nicht über den Geist der Zeit zu erheben, um wie viel weniger den Wahn des Volkes zu bekämpfen. Daher auch tm Thalmud nur solche Beschwörungsformeln, Zauber und sympathetische Heilmittel '■viön ■'jDo verpönt wurden, die allzudeuklich ein heidnisches Gepräge beurkunden, andere dagegen erlaubt, ja selbst verallgemeint wurden, obgleich sie *) Dom Verfasser des Aufsatzes über den Traubrief, in Annalen von 1840. Nr. 52. nicht minder aus dem vergifteten Boden des Irrwahns entsprossen. So ist im Thalmud die Dämonologie vielfach ausgebildet, und während die heiligen Bücher nur einen Satan als das Symbol der Verführung und Versuchung kannten, wird dorr die ganze Atmosphäre mit zahllosen Teufeln und Gespenstern, die menschliche Bedürfnisse haben, sich wie die Menschen vermehren, mit neidischem Blicke die Menschen verfolgen und ihr Glück zu zerstören suchen sollen, bevölkert. Auch über die heidnischen Einflüsse auf die körperliche und intellektuelle Bildung der Menschen zur Zeit der Geburt, wird im Thalmud, Sabbath 156, umfassend abgehandelr, welche Irrlehren als exoterische Pflanzen in einem der göttlichen Tradition zugeschriebenen Lehrgebäude keine so sorgfältige Pflege hätten finden sollen. Der Zauber durch bloßen Blick ohne körperliche Berührung, der sich schon bei den heidnischen Dichtern unter der Benennung obliquo oculo, nisu obfascmari (Hör. Ep. 1.14. 37, Virg. 3.108) vorfinder, wird auch im Thalmud 8otab 36, Baba Meziah84 u. a. a. O. für möglich gehalten. Alle diese Lehren und Sagen bereicherten nicht nur den Volksglauben mir Mährchen und Hirngespinnsten, die, von einer reichbegabten Phantasie zu einem vollständigen System ausgebildet, die Gemüther des Volkes durch Luftgebilde, falschen Wahn und Schrecknisse der Unterwett in Furcht setzten, sondern gingen so in's Lebe» über.

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