Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 10 (5.3.1841)
- Date
- 1841-03-05
- Page
- Seite 80 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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80 Heiken, welches jedoch mit zunehmender Bildung immer mehr gesckwächl ward, da die dichterischen Gestalten als solche nicht vollendet genug erschienen. Poesie und Erbauung vertragen sich ohnehin nur recht innig, wenn die Musik sie vermittelt, zur Hervorbringung einer Gesammtwirkung. Ein Gemüth, welches durch Betrachtungen sich erheben will, liebt die reine kindliche Sprache des Herzens, die von jedermann gefühlten, wenn auch nicht von jedem erkannten Wahrheiten, vorgetragen allerdings in poetischer Färbung, aber immer nur in Beziehung auf das religiös-ideelle Leben, zu welchem selbst die einfachsten Handlungen und Gedanken und Wünsche emporgehoben werden; wogegen der Sinn, mit welchem selbst religiöse Poesieen gelesen werden, auf die Formen der dargestellten Gebilde und der Darstellung selbst gerichtet ist, mehr um das Erhaben-Schöne in sich aufzunchmen und noch in der Erinnerung zu genießen, als um dem Willen edele Bestimm-Triebe einzupflanzen.—Die jüngeren Schriftsteller des Erbauungsfaches haben dies richtig begriffen, und die Dichtelci hat so ziemlich nachgelassen. Einige neuere Versuche poetischer Auffassung sind nicht eigentlich der Erbauung gewidmet, sondern machen eher Anspruch auf künstlerische Anerkennung, im Ganzen nur selten mit Recht. Zn Stcin's Stufengesängen sind jedoch einige Stücke sehr gelungen. Eine poetische Bearbeitung vieler Legenden wird wahrscheinlich bald die Presse verlassen; mehrere Proben davon zeugen von schönem Talent. — Diejenigen abcx, welche berufen sind durch öffentliche Vorträge das Volk, zu belehren, thun wohl daran, auch die Bearbeitung der Erbauungsschriften zu übernehmen, sie treffen schon eher den rechten Ton und kennen das Bedürfniß. — Zu den, besonders für eine gebildetere Klasse sich eignenden bessern Schriften dieser Gattung gehört die vorliegende, deren Verf. bereits durch eine Reihe sowohl archäologischer als homiletischer Versuche, so wie durch sein Wirken als Religionslehrer in Wien und Königsberg rühmlichst bekannt ist. Sein Styl ist rein und klar und seine Gedanken fließen aus wiyenschaftlichem Boden, so daß selbst da, wo er in die einfacheren Zdeen des reinen Volksglaubens eingeht, sich doch der Ausdruck nicht allzusehr verflacht, sondern immer eine gewisse Schwungkraft behauptet, die aus der Fülle des Stoffes stets Nahrung zieht. Daß dieser Stoff bisweilen subjectiv ausgebildet erscheint, auch öfters einer eigenen Ausschmückung bedarf, um Wohlgefallen zu finden, liegt in der Natur der Sache. Dazu dient dann oft die Symbolisirung materieller Zdeen aus der Schrift und der Geschichte; ein Mittel, das jeder nach seiner Weise handhabt. Es kommt hier hauptsächlich auf die Wirkung an. Die vor uns liegende Sammlung enthält Betrachtungen für die Feste; manche wichtige Frage behandelnd, 1) zum Frühlingsfest, Unsterblichkeit. 2) Gottähnlichkeit der Seele, innerer Friede. 3) Religiöse Freude, mit symbolischer Erklärung der Feierlichkeiten des Hüttenfestes. 4) Aehnliches anders durchgeführt. 5) Für das Paffahfest, Pharaphrasc der Ceremonicn, nach der Hagadah; scheint uns vorzüglich ansprechend. 6) Neujahrsfest; Vorbereitung für die Ewigkeit. 7) Versöhnungsrag; allgemeine Betrachtungen über Sündhaftigkeit; beide viel zu kurz und unvollständig. Wir haben indeß nur ungefähr die Einheit jedes Stückes auszudrücken versucht, denn angegeben ist sie nirgend, und vielleicht ist mancher dieser Ausdrücke nicht bezeichnend genug. — Durchweg verweilt der Vf. in den weitern Kreisen der umfasscndern Begriffe, ohne sie sehr zu speeialisiren. Wahrscheinlich behält er sich dicß für die nachfolgenden Hefte vor. Auf jeden Fall müssen wir wünschen, daß die Gedanken immer schärfer durch die möglichste Vereinzelung der Anschauungen hervortreten, auch daß mehr Bibelstellen eingeflochten werden, wenn von ihnen eine bleibende Wirkung erwartet werden soll. Der Erbanungsuchende muß in die innersten Kammern seines Herzens hineinschauen können, und an den alltäglichsten Handlungen und Wünschen die verborgensten und feinsten Fasern, welche dem Willen Nahrungssäfte zuführen, wahrzunehmen angeleitet werden, dann erst erkennt er die Wahrheit des ihm vorgehaltenen Spiegels und die Notwendigkeit der Selbstbeschauung. — Wir sehen daher mit Erwartung den Fortsetzungen entgegen. Anzeige. ]n Zion. äpebtäifcfye Zeitschrift für Theologie und deren Hnlsswiffenfchaften. Herausgegeben von Dr. M. Creizenach und Dr. I. M. Jost. J¥f O. (Ausnahmsweise 1'/- Bogen.) Inhalt: 1) Eine versivicirte Darstellung des Unterschiedes zwischen weltlicher Bildung (die der Verfasser hier Atticismus nennt) und religiöser Erkenntniß, in 3 Abteilungen, von S. D. Luzzalo, (mehr als 800 Verse in freiem Styl; ausgezeichnet bemerkenswert durch die Classicität und Gewandtheit des Ausdrucks. Wir halten dies Stück für ein's der vorzüglichsten Kunstprodukte dieser Art, in der Rundung der Ideen, wie in der oft an -eine eindringliche Ironie streifenden Haltung des Tones, und empfehlen dasselbe der besonder« Aufmerksamkeitder Freunde der hebräischen Sprache. Es ist überall, wo ein Mißverständniß es zu erheischen schien, mit Punktation versehen. (S. 01. Z. 14 ist in einigen Exemplaren st. zu lesen wie im folgenden Verse.) 2) Eine gelehrte Untersuchung über das Werk welches nur in ganz entstellter Form gedruckt ist; von einem Forscherin Gallizien. Es wird manche litcrar-historische Bemerkung beigefügt, und mancher Irrtum berichtigt. — Die Folge im nächsten Bogen. 3) Ein erneueter Angriff des Rabbiners A. K. auf das Württemberger Lehrbuch, in Betreff der Messiaslehre. 4) Merkwürdige Varianten in biblischen Citaten, so sich im Talmud befinden. 5) Hebräisches Dankschreiben der Gemeinde zu Brody in Gallizien, an Sir Moses Montcfiore, mit einer gut geschriebenen Einleitung, welche zum Zwecke hat, die Verdienste des Oesterreichischen Consuls zu Damask näher zu würdigen. Im übrigen verweisen wir auf die Anzeige des 5ten Bogens in den diesjährigen Annalen Nr. 6. Die Redaktion dev hebräischen Monatschrift Zion in Frankfurt am Mai». Von der hebräischen Monatschrift Zion erscheint jeden Mondmonat des jüdischen Kalenders eine Nummer, bestehend aus einem Bogen in gr. 8. — Sollte eine verbreitetere Theilnahme es irgend möglich machen, so werden wir uns beeilen, die Lieferungen zu vermehren. Preis des Jahrgangs fl. 2. 12 kr. rhein. Man subscribirt in allen Buchhandlungen und bei allen l'öbl. Postämtern, in Frankfurt a. M. bei dem Unterzeichneten, so wie auch in der I. D. Sauerländer'schen Buchhandlung. J. S-. Stiller, Inhaber einer Verlagshandlung jüdischer Schriften. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.