Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 9 (26.1.1841)
- Date
- 1841-01-26
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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72 Fernando. Tiberiade 1810; und setzt hinzu, daß alle seine Bemühungen, dieses Buch ausfindig zu machen, vergeblich gewesen seien. Wir sind ermächtigt, im Namen des Herrn Reggio zu erklären, daß er dieses Buch vor etwa 15 Jahren in der Sammlung des Hrn. Leon Vita Saraval, Directors der Israelitischen Hauptschule zu Triest, gesehen habe. „Dasselbe bestehe aus zwei Bänden, und die darin vorgebrachten Reformpläne haben zum Zweck, die 613 Ge- und Verbote auf 60 zu reduciren, die meisten Ceremonial- Gesetze abzuschaffen, und die jüdische Religion zu einem stachen Deismus umzuschaffen, ohne daher weder das innere Wesen des Judenthums einer ernsten Prüfung zu unterziehen, noch die wahren Forderungen des höhern israelitischen Lebens und das letzte Ziel der allgemeinen Vervollkommnung und Beglückung des menschlichen Geschlechts, welches doch in unsrer Religion wurzelt, hervorzuheben." (Wir geben die Worte wie solche uns gemeldet worden. D. H.) In einer jüngst vom Rabbiner H. Chajes zu Ziolkow herausgegebenen Schrift, betitelt bx-'wb mxBn finden wir am Schluffe einige Blätter der traurigen Geschichte des vorigen Jahres gemivmet, welche zum Zweck haben, allen sachkundigen Israeliten dazuthun, wie auch nicht der entfernteste Grund zu einer Verdächtigung unsrer Religion in den Schriften, welche zu Quellen dienen, gegeben sei, vielmehr überall die Menschenliebe bis auf's Kleinste und Unbedeutendste eingeschärft werbe. Wir können nicht umhin, es ganz zeitgemäß zu nennen , daß der Vf., und namentlich ein Mann, welcher plötzlich seine Gesinnung fast in die entgegengesetzte Richtung umgewandelt, und aus einem freisinnigen Denker, der sich allem Fortschreiten geneigt zeigte, ein bitterer Verfolger und Bestreiter alles dessen geworden ist, was dem Aberglauben zu steuern sucht, —doch mindestens in dieser Angelegenheit manch verständiges Wort spricht, und auf jeden Fall dadurch zeigt, daß er im Leben wohl nicht die gemeinen Verfolgungen gut heißen würde, mit welcher seine Parthei noch gern alle Andersdenkenden in jener Gegend zu erdrücken sucht. Herr Chajes hat Geist und Methode genug, um, wenn er einer edel» Sache seine Föder widmet, wohlthätig auf seine Landsleute einwirken zu können. Mit Bedauern sehen wir ihn daher in seinen andern Produkten einen Weg einschlagen, welcher auf keinen Fall dazu dienen kann, seinen Landsleuten über das, was ihnen wahrhaft Noth thut, die Augen zu öffnen. Noch mehr aber beklagen wir es, daß er auch seinen schriftstellerischen Ruf auf's Spiel setzt, indem er, wohl um nicht in den Verdacht zu kommen, mit Geiger und andern in der Gesinnung übereinzustimmen, alles was er aus deren Schristen dennoch wörtlich entlehnt, nicht den Autoren zuschreibt, die ihm das Material liefern, so daß er leicht des Plagiates beschuldigt werden könnte. Was hilft aber ein solches Schweigen, da ja die gedruckten Zeugen vorliegen? Verwischtes. Englische Blätter melden: „Die Bombay-Armee, d. h. die eingebornen Truppen in der ostindischen Präsidentschaft Bombay, zählt sehr viele Juden in ihren Reihen. Dieselben sind sehr gute Leute, tapfer und an die Strapatzen des Kriegs gewöhnt. Viele von ihnen sind wegen ihrer militärischen Talente, ihrer vorzüglichen Kriegszucht zu Offiziers höheren Grads befördert worden. Die in den Reihen dienenden Juden sind übrigens nicht zu einem Regiment concentrirt, sondern sie sind einzeln in der ganzen Armee zerstreut. Das 10te Regiment zählt die meisten, nämlich 20—80 Militärs. Das 4te, Liste und Liste Regiment haben jedes 20 — 25, die übrigen weniger, 3 oder 4 bis höchstens 15. Fast jeder Jude in der Bombay-Armee ist in den xesp. Regimentern entweder geboren oder von Jugend auf da aufgewachsen." Dieser einfache Bericht widerlegt am besten die den Juden gemachten Vorwürfe über Untüchligkeit zum Militärstand. In mehreren europäischen Ländern weiß man dieß längst aus Erfahrung, obwohl die Beförderungen nur in einigen unsrer westlichen Nachbarstaaten Vorkommen. Es hängt alles von der Behandlung und der gesetzlichen Slellung ab, die man ihnen einräumt. W. Herr Ginsberg, Rabbiner aus Ungarn, welcher sich, um das erloschene Augenlicht wieder zu erlangen, nach Paris begeben hatte, und durch die bewährte Kunst des berühmten Augenarztes, Mr. Sichel, wieder hergestellt worden ist, hat dort, durch die Güte der Orientalisten, den aufgefundenen, bisher nur dem Namen nach bekannt gewesenen Commentar des David Kimchi auf die tlenests zur Verfügung erhalten, und geht nun mit dem Plane um, dies werthvolle Manuskript während seines Aufenthaltes in Frankfurt am Main durch den Druck zu veröffentlichen und der Gelehrten-Welt somit ein interessantes Alterthumsstück zu übergeben. Wir machen die Freunde dieser Literatur auf diese Erscheinung gern aufmerksam, und rechnen um so mehr darauf, daß dies nicht sehr kostbare Unternehmen vielseitige Unterstützung finden werde, als der Ueberschuß des Ertrags dazu dienen wird, die bisher durch ein so großes Unglück ihres Ernährers beraubte Familie wieder aus drückender Noth zu befreien und den achtbaren Rabbinen wieder in Stand zu setzen, zu seiner amtlichen Thätigkeit zurückzukehren, wozu er seme volle Reconvalescenz abzuwarten hat. Es soll uns freuen, wenn diese Anzeige ihm recht viele Contribuenten verschafft, und sind wir auch bereit, Subseriptionen anzunehmen. Die Red. der Jsr. Annalen. Bei Schmid und Busch in Wien erscheint gegenwärtig ein Prolegomenon zum Buche Esther, von Herrn I. Reggio unter dem Titel inOx rte bx nnED in sehr schöner Ausstattung. Das Ganze wird etwa vier Druckbogen betragen und manche interessante- Forschung liefern. So eben empfangen wir von Hern Munk wichtige literarische und historische Nachrichten über Aegypten, wovon im nächsten Stück. Aufforderung. Der Herausgeber des Kerem Chemed drückt am Schluffe des 5ten Bandes dieser Sammlung, indem er berichtet, daß der verstorbene Joseph Perl zu Tarnopol der von ihm gestifteten Schule seine vortreffliche an vielen seltenen Werken reiche Bibliothek vermacht hat, den Wunsch aus, daß die Gelehrten Israels, so wie Besitzer gediegener Werke, sich dadurch aufgefordert finden mögen, diese Bibliothek, vielleicht die einzige öffentliche in ihrer Art,- durch Geschenke an Büchern zu vermehren, und sich dadurch um die Förderung der Bildung, wie auch die Vergrößerung einer so achtbar dastehenden Anstalt verdient zu machen. Wir wollen hiermit gern zur Verbreitung dieser Aufforderung beitragen, welche hoffentlich nicht erfolglos verklingen wird. Die Redaktion. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.