Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 6 (5.2.1841)
- Date
- 1841-02-05
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Mitglieder von einigem Einfluß ihr Gutachten an hohes Ministerium gelangen lassen. Uebcr die Secte, von welcher diese Abtheilung nur einen Zweig bildet, ist in der Geschichte der I sraeliten zwar schon mancher Aufschluß gegeben worden, und in der neuesten Zeit haben die Zeitschriften noch viele merkwürdige Einzelnheiten nachgetragen, und man möchte glauben, daß die Nachrheile, welche durch den ersten Stifter derselben, seit 1740, in allen diesseitigen Gemeinden hervortreten, genugsam bekannt seien, — dennoch ist das Thema für den, welcher den Unfug in der Nähe täglich und stündlich wahrzunehmen Gelegenheit hat, keineswcges erschöpft, und da wo cs auf allgemein heilsame auf innere Besserung der Volksmasse abzielende Maßregeln ankommt, einer weisen und wohlwollenden Nachforschung sehr zu empfehlen. Jede Sectirerci hat schon an und für sich den Charakter der Selbstsucht, des Heraustretens nicht Floß aus dem allgemeinen Verbände der eigenen Religion, sondern zum Thcil auch des Staates; der nächste Zweck ist immer Hemmung der Entwickelung, Widerstand gegen die Einwirkung der fortschreitenden Zeit, gewaltsame Ertödtung des Lebens zu Gunsten einer fixen Idee, welche der unkundigen Menge als etwas Göttliches vorgcstellt wird. Mag immerhin der Urheber von löblicher Gesinnung begeistert gewesen sein, die Folge davon ist stets Mißbrauch und grober Jrrthum, und die Unnatur rächt sich selbst. Schlimmer und verderblicher ist die Wirkung, wenn gar keine eigentliche Idee zum Grunde liegt, und die Secte stets durch eine Reihe von Wunderthätern gehalten wird, also von Persönlichkeiten, die geradezu um ihres Vonheils und ihrer Macht willen, eine blinde Masse an sich zu ziehen wissen. Hier ist der Mißbrauch ganz unvermeidlich und der Einfluß um so zerstörender, als er um sich geltend zu machen, alle anderweitigen Einwirkungen auf Geist und Sitte zu entfernen bemüht sein muß. Dies bewährt die in Rede stehende Secte auf das Unwiderleglichfte. Wenige Jahrzehnte nach dem ersten Entstehen derselben theilte sie sich bereits nach Ocrtlichkeiten in mehrere Massen, alle gleich fanatisch für ihre resp. Oberhäupter, an deren Wunderkräfte niemand zweifelte, und die nur im Fanatismus wetteiferten. In den russischen Ländern stiftete ein Schwärmer, S a lmo n genannt, vor etwa 50 Jahren die obenerwähnte besondere Secte, durch Aufstellung einiger höhern Ideen, von der Verachtung alles Irdischen, Vernichtung aller Begierden nach Vergänglichem und ähnlichen an sich unhaltbaren Sätzen, deren Vorschicbung wenigstens dem Oberhaupte -und seiner Umgebung eine fast unerreichbare und daher angestaunte Heiligkeit gaben. Diese Ideen leuchten noch i hie und da durch die Lehren des Stifters, aber bald ' gingen sie ganz unter in dem Meere der Wunder- I thätereien und Gaukeleien, welche letztere selbst bis I in ihre sogenannten Bibelerklärungen eingedrungen; sind, indem von Verftändniß der Schrift gar nicht! mehr die Rede ist, und an jedem Buchstaben und i Punkte geheime Winke und fratzenhaft verzerrte Ge-! danken und Anregungen aufgesucht werden, durch!,! welche das Volk ganz und gar in Staunen, in blin- >! der Anbetung und in einem zu allem bereitwilligen! Gehorsam erhalten wird. — Bei solcher Beschaffenj heit der Dinge kann man sich leicht denken, wie, j1 sobald ein solches Oberhaupt an die Spitze der ij Volksbildung gestellt wird, sich bald alles gestalten l muß. Die sämmtlichen Gemeinden dieser Provinz j werden wie mit eisernen Mauern umzogen, und j auch nicht ein Strahl von besserer Erkenntniß wird! zugelassen werden. Selbst die Wenigen, welche für!> sich einige europäische Bildung erlangen, wagen dann! kaum, ihr eigenes Streben zu offenbaren, geschweige! auf andere einzuwirken. Darf man da behaupten,! daß die edeln und humanen Wünsche hoher Regiej rung beachtet, und selbst ihre Anordnungen zweck- I mäßig vollzogen werden, wenn das ganze Volk täg-! lich dagegen fanatisirt wird? —! Das Erste und Wichtigste bei so vortrefflichen Absichten ist die Lähmung dieser widerstrebenden Ge- I walten. Dieses kann nur durch Fcrnhaltung des j: Einflusses dieser Secte geschehen, indem keiner, der j: ihr zugethan ist, an die Spitze der Gemeinden gei stellt wird, damit mindestens dieser oft auf's Aeusf serfte ausarrende Glaube an die Unfehlbarkeit solcher r Schwärmer (wovon wir leider sehr betrübende Bei-!; spiele vor uns haben) nicht Aufmunterung und Vor- - schub finde. Mit der Zeit wird sich das Volk, welchem es an gesundem Verstände gar nicht fehlt, ei-! nes bessern überzeugen und selbst zu allen Bildungsanstalten die Hand bieten, statt daß es letzt der müßigen Träumerei nachgiebt und in seinem Elende eine Art von sinnlicher Befriedigung findet, aus welcher herauszutreten ihm als das größte Unglück erscheint. Hierzu trägt das mystische Dunkel, in