Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 5 (29.1.1841)
- Date
- 1841-01-29
- Page
- Seite 39 (sequence 7)
- Language
- German
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39 Wir ersehen aber aus einqm uns in Abschrift mitgetheilten Briefe des Herrn Slonimski an einen Freund, vom September 1839, wie er diesem eröffnet, baß er eine Rechenmaschine zu allen vier Species erfunden habe, durch welche man mittelst Drehung einer Kurbel jedes Facit ohne . Schwierigkeit sogleich als Resultat erhält; aber höhern Werth auf die gleichfalls vonihm erfundene Logarithmen-Maschine lege, durch welche man für jede Zahl den Logarithmus bis zu 20 Decimalstellen findet, und zwar sowohl die briggischen als die natürlichen. — Der Erfinder war zur Zeit mit Beschreibung seiner Erfindung für den Druck beschäftigt, und sollte die Schrift insbesondere gegen Grüson's Ansicht zeugen. — Der bescheidene Erfinder sagt, nur ein Zufall habe ihn auf die Ausführung hingeleitet, indem er selbst die! Sache für unmöglich gehalten habe. — Später hat er an jj denselben Freund geschrieben, und die volle Durchführung!! seiner Erfindung gemeldet. '! Demnach ist der Warschauer Bericht ganz wahr. Baiern. — Erfreuliches gibt es wenig. Das Unerquickliche läßt man gern unerwähnt. Doch mag auch dieses bisweilen öffentlich besprochen werden, es erweckt doch wohl einige Theilnahme, ohne daß man erst nach dem Morgenlande zu wandern braucht. Ein Landrichter zu G. in Unterfranken hat bereits im März vorigen Zahres an alle Gemeindevorsteher seines Gerichtsbezirks den Befehl ergehen lassen, „anzuordnen, baß an Orten, wo keine Juden wohnen, jeder Jude dem Ge- > meindevorsteher vor allem bse Anzeige wegen des Geschäfts,! das er daselbst beabsichtigt, zu machen habe. Gegen Zuwiderhan-! delnde oder solche, welche durch Unwahrheit die Aufsicht des > Vorstehers zu täuschen ober sonst zu vereiteln suchen, sei angemessene Strafe anzudrohen, und solche innerhalb der im tz. 118 des revidirten Gemeindeebikts bezeichneten Schranken zu erkennen und zu vollziehen, oder dem Landgerichte die'Anzeige unvermerkt zu machen." Das heißt also alle Fuden unter polizeiliche Aufsicht stellen, und diese Aufsicht allen Ortsgemeinden und selbst den Individuen übertragen; denn diese Verfügung ward überall am Gemeinj behause angeschlagen! — Es stützt ein solcher Schritt sich j weder auf einen königlichen Befehl noch auf eine Verordnung! unsrer hohen Kreisregierung, und wird dennoch mit einer seltenen Strenge gehanbdabt. Zur Rechtfertigung dieser nur in dem einen Landgerichte getroffenen Maßregel, führt derselbe an, daß mehre, auf ordentliche Gewerbe oder Feldbau ansäßige Individuen die Lanbleute zu nachtheiligen Geschäf- . ten verleitet hätten. Allein hierüber fehlen alle Nachweise; bisher ist unsers Wissens kein Einziger wegen eines derartigen Vergehens verurtheilt worden. Aber wäre das auch der Fall, und wäre selbst eine Vorsicht gegen einzelne niedere Handelsleute nöthig, woher die Allgemeinheit? und was hat die Religion als solche damit zu thun? Wirb ein Betrüger ehrlich, wenn er sich der Taufe unterzieht? — Dergleichen Verfügungen verrathen nur den Geist derer, die sie erlassen, und die Veröffentlichung derselben durch Anschlag kann nur dazu bienen, dem Pöbel Waffen in die Hand zu geben. Es leibet keinen Zweifel, baß unsre Kreisregierung einschreiten und die Maßregeln unterdrücken wirb. Aber es wäre endlich Zeit, daß alle Israeliten Baierns durch eine Petition bei Sr. Majestät unserm allergnäbigsten König gegen solche willkührliche Maßregelnj untergeordneter Behörden sich verwendeten. Und zu diesem Ende mag obige Nachricht in den in Baiern viel gelesenen Annalen ihren Platz finden. Stuttgart, Decemder 1810. — Nachdem endlich der diesjährige Rechenschaftsbericht unsers Waisen-Vereins erschienen ist, erlauben Sie mir. Ihnen einige Auszüge aus demselben für das größere Publicum mitzutheilen. „Die Aufnahme neuer Pfleglinge des Vereins zur Versorgung armer israelitischer Waisen und verwahrlos'ter Kinder, fand, wie gewöhnlich, im großen Saal des obern Museums statt. Zn der mit Blumen geschmückten Rotunde des Saales war die Büste aufgestellt, vor welcher ein stark besetzter achtstimmiger, aus Mitgliedern des Lieberkranzes bestehender Männerchor sich gruppirte, und unter gefälliger Leitung des Herrn Stadelbauer die Feierlichkeit mit der Kantate von Zumsteg eröffnet: „Ein Gott, ein wahrer Gott ist nur! Der Herr ist Er, und Keiner mehr rc." Hierauf hielt der Vorsteher des Vereins, vr. med. Dreifuß (der auch Mitglied der k. isr. Oberkirchenbehörde ist) folgenden Vortrag: Ein Doppelfest von hoher Bedeutung feiern wir heute: Das Geburtsfest unsers geliebten Königs, und bas in Kurzem zurückgelegte erste Decennium des Vereins. Zehn Fahre, seit Gründung desselben, liegen nun bald hinter uns, die ersten zehen —man darf wohl sagen—entscheidenden Jahre. Denn, ob der Verein sich halten, oder ob er, wie so viele andere, im Strome der Zeit untergehen werde — die Beantwortung dieser Frage mußte nothwenbig von den Ergebnissen einer größeren Reihe von Fahren abhängen. Unsere Hoffnungen sind in Erfüllung gegangen; erhebt sich das Gebäude auch langsam, so ist mindestens der Grund fest und mit solcher Vorsicht angelegt, daß er, nach menschlicher Voraussicht nur durch heftige Stürme erschüttert werden könnte. Und doch sind wir, offen bekannt, noch eine beträchtliche Strecke hinter dem vorgesteckten Ziele geblieben. Es traten uns aber auch größere Schwierigkeiten in den Weg, als wir uns vorstellten; Schwierigkeiten, deren Ueberwinbung oft unmöglich schien und unser Herz mit banger Besorgniß erfüllte. Nur das Vertrauen auf die gute Sache belebte unsere Hoffnung und half uns glücklich durch bis hieher. Als wir vor bald 10 Fahren an unsere Mitbürger die erste Einladung zur Theilnahme an diesem Verein ergehen ließen, da zweifelten manche unter uns an dem Gelingen; und als vollends der Wohlthätigkeitssinn der Würtemberger durch Gründung neuer Rettungsanstalten stets von neuem in Anspruch .genommen wurde, wer hegte da nicht die Befürchtung, ob wir auch unsere Sache glücklich durch« führen würden?