Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1841
- Issue
- Heft 4 (22.1.1841)
- Date
- 1841-01-22
- Page
- Seite 25 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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1841 ss. Januar. Nro 4. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Hcrausgcgeben von Or. I. At. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer Bogen; Preis des Jahrganges Rthlr. 3. — fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Religiöse Streitpunkte und Gegensätze. — Der Verein zur Verbesserung des Zustandes der Israeliten im Großherzvgthum Hessen. — Neue Leistungen der kritischen Schule. — DaS israelitische Schulwesen in der Pfalz, von E. Grünebauin (Fortsetzung). — Nachrichten und Sorrespondenzcn: Frankreich; Brüssel; Prag: Bericht über Vorträge von Sachs und Rapaport. — Aeltere Literatur: Abr. b. Maimons Slreilsckrift, von K—m. (Schluß). — Anzeigen. Religiöse Streitpunkte rrnd Gegensätze. Wer im Leben Zeuge ist oder aus Schriften Kunde nimmt von Den oft bis in die unbedeutendsten Einzelnheiten eingehenden Streitigkeiten, welche zu allen Zeiten und aller Orten in den israelitischen Gemeinden mit religiöser Wärme oder kaltem Eigensinn durchgefochten worden und werden, mag wohl bisweilen den Kopf schütteln und sich wundern, welche an und für sich gleichgültige Punkte die Menschen, die sonst gewiß die Denkkraft genugsam bethätigen, so sehr aufzuregen vermögen! Und wenn die Streitenden nach eingetretener Ruhe die Sache überdenken, wundern sie sich wohl selbst über ihre Meinung, und bei Ansicht dessen, was sie erkämpft oder verloren haben, finden sie die Freude über den errungenen Vortheil eben so ungegründet, wie den Gram um die Verluste, und Abspannung und Gleichgültigkeit ist die Folge. So ist es mit dem größten Theile der Kämpfe im Allgemeinen, warum sollte es hier anders sein? Die Masse, welche in den Streit zieht, weiß der Regel nach wenig oder nichts von den inneren Prinzipien, welche das Zerwürfniß der ober« Leitungen herbeiführt, sie hat nichts weiter als die Kraft, deren sich der Geist bedient. Es ist schon genug, wenn ein Dunkeles Gefühl des Rechts jener sich beigesellt, um sie zu stärken, und das kann theils durch das unbedingte Vertrauen auf Die Leitung, theils durch den gesunden Sinn eines Volkes bestehen oder geweckt werden; Leidenschaften und niedere Beweggründe thun auch das Ihrige, aber sie sind von unedler Natur, daher unzuverlässig und von geringer Haltbarkeit. So oft ein Streit vorhanden ist, hat man demnach sich nicht nach den rohen Aeußerungen der Ungezügelten umzusehen, die sich bloß der Störung erfreuen, auch nicht nach dem Halbbewußtsein des Volkes über den Werth des Streites zu urtheilen, sondern stets muß zu den ersten Prinzipien zurückgegangen werden. Da zeigen sich denn oft die überraschendsten Resultate. Die Punkte, worüber gestritten wird, in kirchlichen Angelegenheiten fast durchweg nicht sowohl Lehrsätze als vielmehr Formen, theils des Gottesdienstes, theils des häuslichen Lebens, theils der gemeinsamen Feiertage, theils oft des bloßen Wortausdrucks, sind mehr oder minder Ergebnisse der ersten kirchlichen Grundsätze in ihrer Anwendung nach Zeit und Orr, modificirt durch geschichtliche Ereignisse und Entwickelung. Da religiöse Formen die Individuen jeder Gemeinde von Geburt an bis über das Grab hinaus begleiten, so ist jedes Mitglied in denselben gleichsam eingewohnt, hat an ihnen den beständigen Leitfaden in der Hand, um jeden Augenblick an demselben mir dem Fluge der Gedanken, wie mit der Unmittelbarkeit der An-