Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 52 (24.12.1840)
- Date
- 1840-12-24
- Page
- Seite 436 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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436 Dieses einfache Dokument beleuchtet besser die Stellung der Israeliten im Kirchenstaate als die weitläufigste Beschreibung thun würde, und erklärt uns zur Genüge durch den Geist, der in der Gesetzgebung wohnt, den Standpunkt, den die von der übrigen Gesellschaft ausgestoßene Masse der Juden hier größtentbeils emnimmt. Wien, 1. December. — Dieser Tage sind gedruckt erschienen die „Statuten des von Hrn. M. L. Biedermann begründeten und von der hohen k. k. Landesregierung genehmigten Vereins zur Versorgung israelitischer armer Waisen m Wien." Die Statuten zerfallen in vier Capitel: 1. Capitel Organisation des Vereins; 2. Cap. Verwaltung; 3. Cap. Bestimmungen des Vereins rücksichtlich der Zwecke; 4. Cap. Verwendung in Rücksicht der Mittel. Ich hebe zur nähern Kenntniß dieses Vereins folgende §§ hervor: § IS. Der Verein widmet seine Sorgfalt und Thatigkeit der Versorgung der armen vaterlosen Waisen, d. h. der Erziehung, Bildung und Versorgung der hülfsbedürftigen, leiblichen Kinder seiner eigenen Mitglieder, letzteres im ausschließlichen Sinne. § 18. Er hat die obwaltenden Verhältnisse, Fähigkeiten, Anlagen und Neigungen zu berücksichtigen, sie je nach solcher Maßnahme zum wissenschaftlichen Berufe, zur Kunst, zum Handwerke und Gewerbe, zur Geschäftsthätigkeit im weitern und enger« Sinne, anzuhalten und zu verwenden; jedenfalls aber in letztem Falle auf eine geregelte Eeschäststhäligkeil zu sehen, die am wenigsten dem Zufalle anheim gegeben ist. tz 29 wird bei Erweiterung des Vereines, „die zu erwarten steht," die Errichtung eines Waisenhauses oder einer Erziehungsanstalt für arme Waisen in Aussicht gestellt. Der Verein zählt gegenwärtig 1? Mitglieder, von welchen 9 der Familie des Gründers angehören. Gallizien, 23. Nov. — Bei Gelegenheit des Erscheinens der Synagogengesänge von Herrn Sülzer in Wien, — eines übrigens sehr rühmenswerthen Werkes — kann ich nicht umhin zu erwähnen, was mir jüngst ein Freund aus Triest schrieb, zumal in der Literaturgeschichte davon nichts zu finden. Seine Worte lauten: „Ich werde Ihnen jetzt über ein mir zu Gesicht gekommenes seltenes, wenn auch gedrucktes musikalisches Werk Bericht abstatten. Es ist ohne 'Titelblatt, daher' der Druckort nickt genau auszumitteln ist. Die Vorrede des Verfassers oder Componistcn, die übrigens in einem zeitgemäß eleganten hebräisch geschrieben, ist datirt Mantua 383 (1623), und dürfte auch das Werk dort aufgelegt wordi-n sein. Der Componist heißt Salomo von den Rothen (l)ei Rossi). Seine Vorrede ist vielmehr eine Dedicalion an einen Mose Salem, von dessen Charakter sowohl er als der Vorredner Juda Ar)e de Modena in jeder Hinsicht viel Wesens machen. Dieser letztere bekennt sich, die Evrrectur besorgt zu haben; in der Vorrede bezieht er sich auf die bekannte Emanuelsche Xenie nsrn meia no u. s. w. und nachdem er eine Parallele zieht zwischen der Harmonie des alten Tempels und der Disharmonie in der neuern Synagoge (seiner Zeit, aber in der unsren nicht anders) pretst er den Herrn, daß Salomo so glücklich' seine Aufgabe gelöst hat. Er bemerkt die ausgezeichneten Leistungen dieses trefflichen, auch bei'm Fürsten sehr angesehenen Musikers, dessen profane Composilionen ebenfalls allgemeinen Beifall gefunden hätten, und zeigt, wie höchst verdienstlich es sei, die gottesdienstliche Musik desselben zu verbreiten. Er fordert alle Gemeinden auf, sich des Werkes anzunehmen, und besonders gegen die Pietisten, welche der Synagoge jeden ächten Genuß mißgönnen, eifernd, erinnert er an einen von ihm selbstials Rabbinen in Ferrara in Gemeinschaft mit den venezianischen Rabbinen erlassenen Spruch, wonach eine wohlgeordnete Musik bei'm Gottesdienste anzuwenden nicht bloß statthaft sei, sondern zu den ersten Pflichten gehöre. Seine Unterschrift lautet: pnsp Tiros n^TiQQ rma rmnvppv# mtc'i Drmnx Größt». Baden. — OesterS haben die Annalen über die kleinern Gemeinden berichtet, um desto deutlicher darzuthun, wie die besseren Ansichten der Zeit nach allen Richtungen hin ihre woblthätigen Wirkungen bewähren. So mögen denn auch folgende Notizen ihren Platz finden. In Randegg ward auch die diesjährige Religionsweihe der Jugend vor einem besonders zahlreichen Auditorium gefeiert, indem nickt bloß unsre christlichen Mitbürger sich in ungewöhnlicher Menge einfanden, sondern mehrere hundert Israeliten aus der Nachbarschaft herbeigekommen waren, um dieser Feier deizuwohnen, deren sie noch entbehren! Herr Rabbiner L. Sckott kennt die rechten Mittel, um die bessern Lebensqrundsätze dem Volke einzupflanzen, und die socialen Verhältnisse zu bessern. — Die Arbeiten des im dortigen Bezirke im September gehaltenen Schul« Convents, (worüber die Mannheimer Zeitung berichtet hat) zeigen, daß die israelit. Lehrer erfreulich mit fonsckreiten. Ein freundliches collegialisches Verliältniß Kat sich durchweg gebildet, und die von Herrn Rabbiner Sckott, welcher zugegen war, ausgesprochenen Worte zum Ruhme der sich immer mehr ausbreltenden Humanität der Gesinnungen, womit er den Beförderern derselben ein Lebehoch brachte, begeisterte die ganze Versammlung. — Man kann dergleichen Zusammenkünfte, namentlich in kleinern Städten und auf dem Lande, nickt genug anempfehlen; sie sind das geeignete Mittel, die vielen Vorurtheile, welche meistens nur in der Unbekanntschaft ihren Grund haben, ganz und gar zu zerstreuen und auszurotten. — s. Literatur. Damascia. Die Judenverfolgung zu Damaskus und ihre Wirkung auf die öffentliche Meinung, nebst Nachweisungen über den Ursprung der gegen die Juden wiederholten Beschuldigung, als bedienten sie sich des Menschenblutes bei rituellen Ceremonien. Im Laufe der Ereignisse dargestellt und beleuchtet von L. H. Löwenftein. Rödelheim bei Lehrberger u. Comp. 1840. 416. S. Eine Zusammenstellung der über diese Angelegenheit erschienenen Dokumente, welcher noch eine zweite folgen soll. Was der Herr Vf. zur Würdigung vieler Einzelnheiten öfters ausführlich polemisirend hinzugefügt hat, wirb man größtentheils so wie gut ausgebrückt auch durchdacht finden, obwohl hie und da der Ton, wenigstens nach unserm Gefühle, nicht angemessen und zu ironisch gehalten ist. so wie überhaupt derselbe sich nickt gleich bleibt, was vielleicht um eine Abwechselung in die Darstellung zu bringen, geschehen ist. Die Sache ist gegenwärtig als beendet anzusehen und eine Uedersicht aller dieses denkwürdige Ereigniß betreffenden Verhandlungen und Ansichten erscheint gewiß vielen Denkenden sehr willkommen. Wir können das Werk des Herrn Löwenstein in dieser Beziehung als zweckmäßig empfehlen und wünschen, baß die Ergänzungen ebenfalls recht bald erscheinen. So eben empfangen wir aus Malta, wo sich Sir Moses Montefiore mit unserm gelehrten Freunde, Hrn. vr. Löwe, gegen Ende des November befanden, und von wo sie zuerst nach Neapel sich zu begeben gedachten, ergänzende Nachrichten über deren Aufenthalt zu Conftantinopel, welche wir im ersten Blatte des neuen Jahrganges »nittheilen wollen. Wir tragen kein Bedenken, dies auf den vollen Jahrgang zu verschieben, zumal wir noch weitere direkte Nachrichten zu erwarten haben, die mit den erwähnten in mehr ober minder engem Zusammenhänge stehen. Die Redaktion. Druck und Verlag von Johann David Sauerl ander in Frankfurt am Main.