Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 51 (18.12.1840)
- Date
- 1840-12-18
- Page
- Seite 421 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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18. Decembcr. 51. 1840. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen 1% Bogenl; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Sir MoseS Montefiore in Constantinopel. — Nachrichten und Correspondenzcn: Cremieur auf der Rückkehr; Wien; Fürtb; Frankfurt am Main' Padua. — Literatur: vr. I. Maicr's Festprediqten und Casuaireden (Schluß); vr. H. S. Hirschfeld, der Geist der thalmudischen Auslegung der Bibel (Schluß). — Beantwortung. — Erledigung. — Anzeigen. Sir Moses Montefiore in Constantinopel. Ferman des Sultans Abdul Meschid, vom 6. November. Die Reise -es Sir Moses Montefiore läßt hoffen, daß die Resultate, welche bisher noch nicht die volle Wirkung gehabt haben, die Ankläger zu beschämen, obwohl immerhin schon die Untersuchung genügend durch die Erfolge belohnt ist, nunmehr noch günstiger sein werden, zumal die politischen Angelegenheiten für Syrien unterdeß sich so gestellt haben, daß Damask unter die Herrschaft der Pforte gehören wird. Wahrend Cremieux seinen Triumpszug feiert und in Wien, Fürth und Frankfurt am Main die unzweideutigsten Beweise der Liebe und Verehrung empfangt und zu dem heimathlichen Heerde zurückeilt, richten wir unfern Blick nach Constantinopel, wo, seit dem Schluß der Verhandlungen in der Hauptstadt Aegyptens, Sir Moses mit regem Elfer sein^Thätigkeit forrsetzt. Es war diesem edeln Manne nicht genug, einen Akt der Gnade erlangt zu haben; ihm lag es am Herzen, eine volle und authentische Genugthuung zu erlangen, namentlich eine Erklärung, welche künftigen abgeschmackten Anschuldigungen vorbeuge. Seine Bemühungen wurden mit dem glücklichen Erfolge gekrönt, nicht nur vielen Hunderttausenden von Unschuldigen Ruhe und Frieden verschafft, sondern auch andrerseits bewirkt zu haben, daß rohe Barbaren nicht wieder ihre Hände mit schändlichen Verbrechen besudeln, daß die Gerechtigkeit nicht wieder auf so unmenschliche Weise, selbst nicht von Unwissenden, mit Füßen getreten werde, und endlich, daß in einem Reiche, wo selbst das ausgesprochene Gesetz der Gleichheit von der ungezügelten Menge eben so wenig wie von untergeordneten Despoten geachtet wurde, nunmehr die Menschlichkeit eine sichere Grundlage gewonnen hat.—Größeres ist unsers Wissens in der Geschichte der Humanität seit Jahrhunderten nicht vorgekommen. Der Gang der Verhandlungen war kurz dieser: Sobald Sir Moses Montefiore in der Hauptstadt anlangie, suchte er bei S. E. Reschid Pascha, Minister der auswärtigen Angelegenheiten, um eine Audienz bei'm Sultane nach, um S. H. für die den Israeliten zu Rhodus gewordene Gerechtigkeit seinen Dank abzustatten, und einen ähnlichen Ferman, wie diese erhalten hatten, für die Israeliten zu Damask zu erbitten, welche eben so wie jene von der Beschuldigung, Menschenblut zu religiösen Gebrauchen anzuwenden, gereinigt werden mußten. S. E. antwortete sehr geneigt, und bemerkte, -aß wenn Damask in der Macht des Sultans gewesen, wäre, die Unglücklichen volle Gerechtigkeit erlangt haben würden. Da inzwischen das Fest des Ramazan eingetreten war, ehe die Audienz zugestanden