Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 50 (11.12.1840)
- Date
- 1840-12-11
- Page
- Seite 413 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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11. December, 1840 Nr° 50. Israelitische Annalen. E i n Centralblatt für Geschichte» Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen IV, Bogen'; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Noch ein Wort üben Ungarische Gemeinten: Hierarchische Anmaßung; von B. M—sch. — Verhandlungen, betreffend das bürgerliche Verhältnis der Israeliten in den Herzogtbümern Schleswig und Holstein. (Schluß.) — Nachrichten und Eorrespondcnzcn: Padua; aus Mittelfranken; Berlin.— Literatur: vr. H. Sommerseld's Leben der Patriarchen; vr. 3. Meier's Festprcdigten und Casualreden; vr. H. S. Hirschfeld, rer Geist der tbalmudischen Auslegung der Bibel (Fortsetzung.) — Beantwortung. — Anzeige. Noch ein Wort über Ungarische Gemeinden. Hierarchische Anmaßung. Don B. M-sch. Die verschiedenen Stadien der Entwickelung diesseitiger Gemeinden sind in diesen Blattern wiederholentlich durch thatsächliche Berichte dargeftellr worden, und der Freund des Fortschreitens im Guten wird danach sich von den obwaltenden Mißstanden, wie von den Hoffnungen, zu denen die neuere Zeit berechtigt, ein Bild entwerfen können. Man darf mit Sicherheit behaupten, daß die weitere Entwickelung nur sich selbst überlassen zu werden braucht, um die besten Früchte zu treiben, denn die Anlagen sind vorhanden, und der gesunde Verstand, verbunden mit dem regen Wollen, muß zuletzt durchdringen und den Gebrechen abhelfen. Freilich wird hierbei vorausgesetzt, daß keine Reaktionen eintreten, und nicht etwa der gesunde Verstand durch besondere Verfügungen zum Stillschweigen verurtheilt, wo nicht gar verwiesen werde. Von Seiten hoher Regierung haben wir zu jeder wirklichen Verbesserung allen möglichen Vorschub zu erwarten; nicht also von Seiten derjenigen, welchen bis jetzt die Sorge für den Cultus obliegt, oder vielmehr obliegen sollte. Es ist wirklich zum Erstaunen, wie sehr eine verkehrte Erziehung dieselben in ihrem Eifer bestimmt, nicht sowohl kräftige Vorkämpfer des Heiligthumes zu sein, als vielmehr der Ansätze, die dasselbe entstellen und die sie selbst im Stillen und bei ruhiger Erwägung nicht gut heißen können. Die Idee, daß es nothwendig sei, den Eingriffen der jüngern Zeit einen Damm entgegen zu stellen, hat eine Art hierarchischen Fanatismus geweckt, welcher sich nicht damit begnügt, seinen Unwillen an allen sogenannten Gegnern auszulassen, sondern darauf bedacht ist, durch eine geregelte, systematische Reaktion alle Bestrebungen zur höhern Bildung und zur Veredelung des Volkscharakters unter dem Mantel der Religion als ketzerisch zu vereiteln. Das ist denn allerdings eine Anmaßung, welche öffentlich besprochen und gerügt zu werden verdient, wäre es auch nur, um die Aufmerksamkeit derjenigen Autoritäten dahin zu lenken, wo einer unschuldigen Volksmenge die Gefahr droht, in Finfterniß zurückgedrängt zu werden, und die bereits aufgeblüheten Saaten eines bessern Lebens vom Eigensinn, wo nicht gar aus unlautern Beweggründen von Seiten derer gestört zu sehen, deren Pflicht es wäre, sie zu pflegen und zu befördern. Wir geben hier die reine Thatsache, und stellen es den Lesern anheim, über deren Wichtigkeit zu entscheiden. Hoffentlich wird sie dahin führen, diejenigen, welche um das Wohl der Gemeinde sich gern verdient machen, auf die