Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 48 (27.11.1840)
- Date
- 1840-11-27
- Page
- Seite 397 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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37. November. Nrö 48. 1840. Israelitische Annalen. Ein Centralblatt für Geschichte, Literatur and C«lt«r -er Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgegeben von Dr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen V/2 Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthkr. fl. 5; man subscribirt bei allen löbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Ungarische Zustände, van B. M—sch. — Nachrichten und Evrrespondenzcn: Amsterdam; Berlin; auS Knrhegen; aus Mittelsranken in Baiern; Frankfurt am Main; Holstein; Wilna; Aegypten. — Literatur. — Beantwortungen. — Anzeige. Ungarische Zustände. Von B. M—sch in Niederungarn. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung Ungarns wird auf 500,000 (?) angeschlagen. Hinsichtlich ihrer Cultur und Sitten können wir füglich die geographische Einteilung in Ober- und Niederungarn , beibehalten- Im Erstem haben sich meistens polnische Auswanderer angesiedelt. Sie haben noch größtentheils ihren Dialekt, ihre Tracht und Handlungsweise beibehalten. Auch ist der leidige Chasidäismus unter ihnen vorherrschend. Als ein großer Wundertäter wird von ihnen der Rabbiner zu Ujhely gehalten. Wer nicht Augenzeuge ist, kann sich gar keinen Begriff machen von der granzenlosen Verehrung und dem schweren Gelde, die ihm von seinen Ergebenen gezollt werden. Seine Worte sind Befehle Gottes. Alles, was er berührt, d^r Staub unter seinen Füßen, wird mit Sehnsucht geküßt. Ueber die Reste seiner Mahle, (Brosamen von seinem Tische) 8e1ür»jim von den Chasidim genannt, entstehen unter diesen blutige Schlägereien. Die Thnre seines Gemachs steht bis spät in die Nacht nicht still. Greise und Jünglinge, Frauen und Mädchen kommen von weither mir schwerem Gemüthe und schweren Taschen, den Segen des Heiligen zu empfangen, und kehren mit leichterem Gemüthe -und noch leichtern Taschen zurück. Stumme i und Taube, Blinde und Lahme und andere mit unverbesserlichen Naturfehlern Behaftete kommen mit großerZuvMKtzu ihm, dene^ .r^ danoeine Ke me ah (Amulet) erteilt. Einen Theik der durch solche Kemeoth- und Segenertheilung zuftrömenren Gelder vertheilt er unter seine Ergebensten, die er mir ihrer ganzen Familie ernährt. Aus Dankbarkeit und Selbsttäuschung verbreiten diese dann die sonderbarsten und abgeschmacktesten Wundergeschichten von ihrem Meister unter den dem Wunder- und Aberglauben leicht zugänglichen Haufen. Da ein Chasid den Umgang der Nicht-Chasidim scheuet und diese aus wohlbegründeter Furcht vor seinem gereizten fanatischen Eifer seine Thorheit mir keiner Sylbe, mit keinem Zeichen zu rügen wagen, so läßt sich gar nicht absehen, wann dieses Unwesen ein Ende nehmen werde. Es wäre daher sehr zu wünschen, daß von Seiten der Obrigkeit auf eine die Gewissensfreiheit nicht verletzende Weise diesem Uebel entgegengearbeitet würde. In Ujhely selbst jedoch sind wenig Chasidim. Es ist auch vor einigen Jahren daselbst eine öffentliche jüdische Elementarschule errichtet worden, die von den Kindern der meisten Gemeindeglieder besucht wirk. Von solchen wird oft auch Seine weithin in Polen und Rußland geehrfürchtere chasidlsche Heiligkeit in Ujhely bespöttelt und — bedauert. — Die Chasidim sowohl als die Nicht-Chasidim leben übrigens mit der