Israelitische Annalen
- Journal
- Israelitische Annalen
- Volume
- 1840
- Issue
- Heft 45 (6.11.1840)
- Date
- 1840-11-06
- Page
- Seite 373 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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6. November. 9^° 45. 1840* Israelitische Annalen. E in Centralblatt für Geschichte, Literatur und Cultur der Israeliten aller Zeiten und Länder. Herausgezeben von vr. I. M. Jost. Von diesen Annalen erscheint jeden Freitag ein ganzer, bisweilen l1/, Bogen; Preis des Jahrganges 3 Rthlr. fl. 5; man subscribirt bei allen l'öbl. Postämtern und in allen Buchhandlungen des In- und Auslandes. Die Richtungen der heutigen Schriftwerke israelitischer Gelehrten. — Fehde in Breslau. — Kritische Studien betreffend die Schriften del Merigo's. — Nachrichten und lkorrespondenzc»: Berlin; Hamburg (Schluß); Trier, über die proj. Encyclopädie; Bon der Donau (Schluß); Randegg, betreffend hebr. Urlerrickt. — Literatur: Gebetbücher. — Anzeige. Die Richtungen der heutigen Schriftwerke der Israelitischen' Gelehrten. Zu keiner Zeit vielleicht ist so viel und über so vielerlei Stoffe geschrieben worden, als in der unsrigcn. Seit zwei Decennien hat das Verhältniß der deutschen Werke, von israelitischen Verfassern über israelitische Angelegenheiten, — und nur diese betrachten wir als zur eigenen Literatur gehörig — zur allgemeinen sich steigend vermehrt; wollte man auch die übrigen von israelitischen Verfassern herausgegebenen Werke über wissenschaftliche oder praktische Fragen oder auch Sammlungen und Handbücher hinzurechnen, so würde deren Zahl Legion sein. Während wir nur den Wunsch hiemir aussprechen, daß ein kenntnißreicher Literat sich die Mühe geben möchte, ein Verzeichniß aller der israelitischen Gelehrten anzufertigen, welche seit dem Beginn dieses Jahrhunderts, oder allenfalls seit dem letzten Viertel des vorigen, in externer Literatur sich einen Namen erworben haben, — eine Arbeit, welche sicherlich den besten Beweis liefern würde, daß die Israeliten der intelligenten Länder an dem allgemeinen Fortschritt Theil genommen und auch ihrerseits mitgewirkt haben —richten wir vielmehr unfern Blick nach innen, um eine Charakteristik der Leistungen aufzufassen, welche, wenn sie klar und bestimmt herausrritt, jedenfalls auf manche Mängel und Bedürfnisse hinführen muß, die neue Tätigkeiten in Anspruch nehmen. Zunächst wollen wir das Gebiet der israelitischen Studien als solcher innerhalb seiner Gränzen kennen lernen. Es ist klar, daß hier zwei Momente als die wesentlichsten angesehen werden müssen: die Theologie und die Geschichte, denn diese Momente sind es, welche die Israeliten als solche eigenthümlich entwickeln; auch durchdringen sich beide, und sind von einander in vieler Beziehung abhängig, wenn gleich sie von außen so manches Element in sich ausgenommen haben, und, weil nichts in der Welt isolirt daftehr, in sich aufnehmen mußten. Man kann mit Bestimmtheit sagen, jedes Individuum unter den Israeliten ist ein Produkt der eigenen Religionslehre und der durch diese besonders gestalteten Geschichte. Diejenigen Faktoren, welche sonst bei der Entwickelung der Nationen Mitwirken, Boden und Klima, große Kriege, plötzlich erwachte neue Studien, Erfindungen, Regierungsverfassungen, Revolutionen und besondere Erscheinungen, zeigten sich hier lange minder einflußreich, und gelten daher auch nur dann als Wendepunkte, wenn sich, wie in den letzten 50 Jahren, deren Wirkung auffallend Nachweisen laßt.