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Israelitische Annalen · 1840-10-30 · Heft 44 (30.10.1840) · p. Seite 372

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Journal
Israelitische Annalen
Volume
1840
Issue
Heft 44 (30.10.1840)
Date
1840-10-30
Page
Seite 372 (sequence 8)
Language
German
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372 Literatur. Zion, hebräische Monatschrift für Theologie und deren Hülfswiffcnschaften; herausgegeben von vr. M. Creizenach und vr. I. M. Joft. — (Eingesandt von einem Freunde der hebr. Gtteratnr.) *) So wie es in einer Zeitepoche die Aufgabe der Presse war, den Aberglauben zu bekämpfen, der Aufklärung das Wort zu reden, und manche wichtige Wahrheiten zu verallgemeinern, deren Verbreitung den erwartenden Erfolg sicherte, so macht es die gegenwärtige Richtung der Zeit, die alles religiöse Element aus dem öffentlichen und häuslichen Leben za verdrängen sucht, nothwendig, manche Untersuchungen im Ritual und in der jüdisch-theologischen Literatur, welche die gewonnene wissenschaftliche Erkenntnis hervorruft, dem größeren Publikum so lange vvrzuenthalken, dis sie, durch genaue Forschungen unb.Uebereinstimmung anerkannter Autoritäten, zu einem bestimmten Resultat und zur genießbaren Reife gelangt sind. Von diesem Gesichtspunkte aus müssen es die wahren Freunde des Jubenthums den Herausgebern obgenannter Zeitschrift danken, daß sie dergleichen kritische Forschungen und die Polemik im Gebiete der Religion ihrem bisherigen, auch dem unwissenden Laien zugänglichen Boden entrückt, und denselben einen abgeschlossenen Raum, den nur Sachkenner betreten, angewiesen haben. Den Freunden der hebräischen Literatur genügt der Zweck und das Motiv, welche die Herausgeber in der Ankündigung bezeichnet haben, hinreichend zur Empfehlung des Unternehmens. Von den umsichtigen Redaktoren, welche in der jüdischen Literatur hinreichend bekannt sind, läßt sich erwarten, daß sie nur solchen Geistesprodukten die Aufnahme gestatten, welche das Feld der Wissenschaft erweitern, verbessern und veredeln. Nach dem ersten Bogen, den wir bereits von dieser Zeitschrift vor Augen haben, werden die verschiedenen Aufsätze in folgende Rubriken eingetheilt: 1) Forschungen im Gebiete des Gesetzes und des Rituals. 2) Worte der Weisen und ihre Lehren. *>) 3) Polemik und Kritik. 4) Briefe verschiedenen Inhalts. Statt einer Vorrede, die wir allerdings vermissen»), beginnt die Zeitschrift mit einer Würdigung der hebräischen Sprache, in der Form eines Briefes an den Verfasser einer hebräischen Naturlehre gerichtet, von I. Barasch. Die erste Rubrik enthält 1) 9 Fragen von vr. Cr. über Gegenstände der Dogmatlk, Hermeneutik und Geschichte, deren Beantwortung uns gewiß sehr interessante und lehrreiche Aufsätze erwarten laßt; 2) eine exegetische Erklärung der schwierigen Stelle in Exod. 12. 29, von demselben. Die zweite Rubrik enthält 1) die Dertheidigung des Asurja de Rossi gegen die Angriffe des R. Levi von Prag, ausgezogen aus einem noch unebirten Werke des Pseudonymen Rasiel. Der Verfasser zeigt in diesem Aufsatze eine ungemeine Belesenheit im Thalmud; der Gegenstand an sich aber ist etwas trocken und unergiebig, c) 2) Bemerkungen über Maimonides Emtheilung der Zeitabschnitte in H. K. H. 6,1 von ür. Cr. Die brüte Rubrik füllt vr. Zost's apologetisches und zugleich polemisches Schreiben gegen Rapaport's Angriffe ü) im 4ten Band des Kerem Chemed in Betreff der Chronologie des Patriarchen R. Jehuda, auf den Verf. der Geschichte der Israeliten. Die Einkleidung dieser interessanten Untersuchung ist so gewählt, daß sie den Leser vorläufig sehr anspricht, es werden noch mehrere Fortsetzungen folgen. Ueber den Gegenstand des Streites selbst wagt Referent kein Urtheil zu fällen, indem sich die verschiedenen Ansichten beider Gelehrten durch den Kampf selbst besser Herausstellen, und jede *) Wir nehmen keinen Anstand, folgendes Referat (es versteht sich, mit Weglassung einiger beifälligen Ausdrücke) einzurücken, zumal verschiedene Bemerkungen unten näher gewürdigt werden sollen; wie wir denn stets wünschen, dle Meinung der Kenner zu vernehmen, und nach Umständen zu berücksichtigen. D. H. Parthei aus der Fundgrube ihres reichen Wissens geschichtliche Momente zu Tage fördern wirb, die ein lehrreiches Resultat liefern werden. In der vierten Rubrik wird ein Auszug aus einem Briefe mitgethrilt, welcher die Sehnsucht nach der baldigen Herausgabe der Schriften des verstorbenen N. Krochm-al, welche wahrscheinlich nach dem Wunsche des Verblichenen, Herr vr. Zunz übernehmen wird, ausdrückt; zugleich wird eine bei Gelegenheit der in den Annalen mitgetheilten Nachricht über Krochmal's Berufung nach Berlin in einem andern Blatte gemachte ungeziemende Anmerkung zurückgewiesen. Dabei ist erwähnt, wie beifällig der Verstorbene des vr. Zunz Aufsatz über die Beschuldigungen in der Leipziger Allgem. Zeitung sich geäußert habe, während die Aeußerungen des vr. Geiger gerügt werben. Mit gespannter Erwartung sehen wir der Fortsetzung der Lieferungen und begonnenen Aufsätze entgegen, und wünschen zugleich, daß eine vielseitige Tbeilnahme die Herren Herausgeber veranlassen möge, die Blatter des Zion öfter erscheinen zu lassen.«) K — m. Bemerkungen zu obigem Referat. Der Herausgeber der Annalen findet für angemessen, auf obiges Referat für sich allein einige Bemerkungen zu machen, als Mitherausgeber des Zion aber wird er seiner Zeit in dieser Monatsschrift sich den gemeinsamen, wahrscheinlich ausführlichern Erklärungen anschließen. Vor allem ist so viel gewiß, daß der Monatsschrift Zion, wie schon oben gesagt worden, nur ein wissenschaftlicher Zweck zum Grunde liegt, (durchaus kein anderer!) und baß daher auch nur solche Beiträge zugelasscn werden, welche diesem Zwecke entsprechen, wobei die möglichste Gediegenheit des Sprachausdrucks allerdings wünscheNswerth erscheint; denn eine Nebenabsicht ist, die Gewandtheit im Gebrauche der hebräischen Sprache zu gelehrten Arbeiten, zu befördern. a) Eine Vorrede war nach der erlassenen Ankündigung einerseits überflüssig, andrerseits, wenn sie nämlich specictter sein sollte, zu vorzeitig, da in der That das Unternehmen sich erst seinen festen Standpunkt suchen muß, und eine bestimmte und sickere Haltung erst nach Maßgabe der Kräfte, die hinzutreten, gewonnen werden kann. Zudem haben manche äußerliche Hindernisse den Anfang etwas verzögert, und allerlei nolhwendige Rücksichten die Auswahl zu den ersten Lieferungen erschwert, so daß man vorläufig sich begnügte, das Zulässige nach den gegebenen Rubriken zu ordnen. Mit der Zeit wird sich alles klarer fügen und ordnen lassen. b) Die Rubrik soll eigentlich allerlei bestätigende ober berichtigende Bemerkungen zu bereits in Ansehen stehenden Quellen-Werken liefern, oder neue, noch unbekannte Manuskripte und Varianten zur Kunde der Gelehrten bringen. e) Es mag sein, daß solche gelehrte Nachweisungen nicht gerade unterhalten, sie führen aber auf gründliche Forschung hin, und dürften in einer Monatschrift für wissenschaftliche Zwecke wohl mit Recht ihren Platz finden. Der Verf. ist ein gründlich gelehrter Mann im russischen Polen, und wir haben von ihm noch mehrere, treffliche Arbeiten, die auch durch schöne Darstellung ansprechen. d) Es ist nicht eine Polemik gegen Rapaport's Resultate, obwohl diese, nach der diesseitigen Prüfung an vielen Punkten erschüttert werden, als vielmehr gegen die zu große Sicherheit mehrerer Behauptungen, auf welche dieser so scharfsinnige Forscher sich stützt; und soll diese Arbeit jedenfalls die Wirkung haben. eine größere Vorsicht im Aussprechen historisch-kritischer Urtheile anzuempfehlen, mit denen mehrere Gelehrte unsrer Zeit durch ein einseitiges Uebergewicht verleitet, Andern imponirt haben. e) Da die Herausgabe des Zion keinerlei eigennütziger Absicht zugeschrieben werden kann, und sämmtliche Mitarbeiter, so wie die Herausgeber, ihre Kräfte nur dem Interesse der Wissenschaft widmen, so darf man mit Sicherheit erwarten, baß die Redaktion, sobald es die Theilnahme irgend gestattet, sich beeilen werde, obigen Wunsch zu befriedigen. Druck und Verlag von Johann David Sauerländer in Frankfurt am Main.

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